Zeitung Heute : Gigantisches Pop-Spektakel gegen Hunger im Internet und live im Wembley Stadion

Anna-Barbara Tietz

Gigantisches Pop-Spektakel im Internet gegen Hunger und Elend: Beim größten Rockereignis seit "Live-Aid" vor 13 Jahren sandten Musiker von New York, Genf und London aus ihre Botschaften von einer besseren Welt live um den Globus. Stars wie Bon Jovi, Zucchero und Celine Dion riefen bei dem elfstündigen Konzertmarathon "NetAid" am Wochenende zum Kampf gegen Hunger, Flüchtlingselend, Umweltverschmutzung und Verschuldung der Dritten Welt auf.

In dem mit 60 000 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllten Londoner Wembley-Stadion gaben die Eurythmics am Sonnabend den Startschuss für das transatlantische Großereignis, das von den Vereinten Nationen und dem Internet-Unternehmen Cisco organisiert wurde. Mit Ohrwürmern wie "Sweet Dreams" oder "There Must Be An Angel" wärmten sie das Publikum für Stars wie David Bowie, Bryan Adams und Robbie Williams an.

Während sich jugendliche Fans in London in Ekstase tanzten, warteten geladene Gäste im Genfer "Palais des Nations" in Anzug und Krawatte auf Bryan Ferry und das Genfer Kammerorchester. Unter den Gästen, die UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßte, war auch der Schauspieler Michael Douglas.

Im Giants-Stadium vor den Toren New Yorks drückten sich anschließend weitere Pop-Größen im Rhythmus von 30 Minuten vor 15 000 Zuschauern das Mikrofon in die Hand - unter ihnen Sheryl Crow, Puff Daddy und Sting. In einer Live-Schaltung zwischen allen drei Bühnen präsentierten Bono von "U2" und Wyclef Jean von den "Fugees" gemeinsam mit allen Teilnehmern die offizielle Hymne der Veranstaltung, "New Day". "Halt den Kopf hoch, ein neuer Tag wird kommen", sang Jean, der das Lied schrieb. Der Rapper selbst war im Kindesalter als Flüchtling aus Haiti in die USA gekommen. Kurzfilme über Armut, Obdachlosigkeit, Drogen und Umweltprobleme zwischen den Songs machten klar, dass "NetAid" mehr sein wollte als nur ein gigantisches Pop-Ereignis.

Hinter der Bühne erläuterte George Michael in London noch einmal die Idee: "Junge Menschen sind für Leute aus den Medien empfänglich, sie reagieren nicht auf Politiker", sagte der Pop-Star. "Net Aid" wolle weltweit Spenden für Projekte gegen Hunger und Armut sammeln.

Das Konzertereignis mit Sendungsbewusstsein erreichte über Fernsehen, Radio und - vor allem - über das Internet Millionen Menschen in der ganzen Welt. Die Veranstalter hatten eine Homepage eingerichtet, die technische Rekorde brach. Dennoch gab es zum Beispiel in Kalifornien und New York Probleme wegen Überlastung des Systems. Schätzungen zufolge surften Hunderte Millionen Besucher auf der Website parallel zum Konzert - dessen Internet-Präsentation technisch eher dürftig ausfiel - durch Informationen über die Probleme der Welt. Die Website bot Berichte aus Krisengebieten, Gelegenheit zum Unterzeichnen einer Petition für Schuldenerlass und Aufforderungen zu persönlichem Einsatz.

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