Gigi Becali : "Die Schafe haben mich stark gemacht"

Er verteilt Geld an die Armen von Bukarest, ist berüchtigt wegen seiner Wutanfälle. Gigi Becali, 49, ist einer der reichsten Rumänen, Chef der „Partei Neue Generation“ und Eigentümer des Bukarester Fußballklubs Steaua. Die Antikorruptionsbehörde ermittelt gegen ihn. Der Maybach-Fahrer hat einen Traum: Gigi Becali will 2009 Präsident seines Landes werden.

Interview: Keno Verseck

Herr Becali …

Mal sehen, ob Sie vernünftige Fragen stellen oder ob Sie auch so tendenziös sind wie unsere Journalisten hier in Rumänien.

Es ist nicht einfach, mit Ihnen ein Interview zu führen. Vier Mal sind Sie zu unseren Verabredungen nicht erschienen. Das ist jetzt der fünfte Versuch.

Ich mache doch mein Programm nicht, wie es Ihnen gerade passt.

Sie haben mir die Termine persönlich am Telefon mitgeteilt.

Sie können jederzeit zu mir kommen. Wenn ich da bin und Zeit habe, unterhalten wir uns. So wie jetzt. Schauen Sie mal, Becali redet mit Ihnen wie mit einem Freund, und nicht etwa wie der Milliardär mit dem Journalisten. Sie können sich wie zu Hause fühlen.

Herr Becali, Sie sind einer der reichsten Männer Rumäniens und Sie wollen 2009 Präsident Ihres Landes werden. Das wäre eine sehr steile Karriere: Sie stammen aus einer Familie von Schafhirten.

Mein Vater war kein Schafhirte. Er war Schafzüchter. Er hatte Hirten, die für ihn arbeiteten. Und das im Kommunismus! Mein Vater hatte ein großes Gespür für Geschäfte, das habe ich von ihm geerbt, und bei allem, was ich im Leben mache, denke ich nur daran, ob es wohl meinem Vater gefallen würde. Er ist mein großes Vorbild, er ist für mich eine Ikone.

Er hat Ihnen ein beträchtliches Vermögen vererbt.

Ungefähr 150 000 Dollar, die habe ich nach 1989 im Handel eingesetzt. Rumänien war damals ein jungfräulicher Markt. Für jeden investierten Dollar bekam man nach einem Monat zehn Dollar zurück. Ich habe damals hauptsächlich aus der Türkei und Deutschland Waren importiert und sie für den sieben- bis zehnfachen Preis verkauft, elektronische und Haushaltsgeräte, Waschmittel, Kosmetik, Kleider.

Wie kam ein Schafzüchter unter der Diktatur zu 150 000 Dollar? Gut ging es doch nur den höheren Funktionären der Partei und des Geheimdienstes.

Auch den Schafzüchtern ging es gut. Die Securitate sah, dass sie hart arbeiteten, und hatte nichts dagegen, dass sie reich wurden. Die Geheimdienstler kontrollierten nur einfach alles und wussten auch alles.

Ihre ersten Millionen, so heißt es, haben Sie 1999 durch einen Grundstückstausch mit dem Verteidigungsministerium verdient: Sie erhielten 21 Hektar Land am Bukarester Stadtrand, der heute 200 Millionen Euro wert sein soll, aber Sie gaben dafür ein nicht so wertvolles Grundstück. Deswegen ermittelt die Antikorruptionsbehörde gegen Sie.

Das Ganze ist eine kommunistische Lüge. Meine ersten Millionen hatte ich längst vorher verdient. Als dieser Tausch stattfand, hatte das Grundstück gar keinen großen Wert, es war nicht mal eine Million wert. Ich habe einfach nur in Grund und Boden investiert, weil ich einen Landwirtschaftsbetrieb gründen wollte. Aber dann wuchs der Wert der Grundstücke sehr stark. Und so ist auch mein Vermögen gewachsen. Was ich für einen Euro pro Quadratmeter gekauft habe, kostet jetzt tausend Euro pro Quadratmeter. In allen ex- kommunistischen Staaten haben diejenigen ein Vermögen gemacht, die zuvor dem kommunistischen Teufel gedient hatten.

Vor zehn Jahren sind Sie ins Fußballgeschäft eingestiegen und seit 2003 Mehrheitsaktionär von Steaua, dem mehrfachen rumänischen Landesmeister. Warum Fußball?

Nachdem ich mein Vermögen gemacht hatte, wollte ich wie jeder Mensch, der Macht hat, auch öffentliches Ansehen. Ja, es ist eine Sünde, ich gestehe das offen ein, aber so sind wir Menschen nun mal. Im Verlangen nach öffentlichem Ansehen habe ich den Fußballklub Steaua gekauft. Das Symbol Rumäniens.

Bei den Fußballsendungen im Fernsehen konnten Sie vor Millionenpublikum auftreten, es heißt, Sie haben sich sogar Fernsehauftritte erkauft.

Schon wieder so eine Lüge! Als ich Steaua übernommen habe, war der Klub am Boden. Ich habe versprochen, dass ich aus dem Klub eine starke Mannschaft machen werde. Und ich habe Wort gehalten. Damit habe ich gezeigt, dass ich Becali bin, der Mann, der auch macht, was er sagt. Die Fußballmannschaft Steaua wird in Rumänien sehr geliebt. Deshalb sehen die Leute ein Idol in mir, vor allem die Jugendlichen. Sie wollen so sein wie ich. Daher muss ich bei allem, was ich mache, immer sehr aufpassen. Ein Kind von zehn, zwölf, fünfzehn, zwanzig Jahren schaut auf mich. Ich bin das Vorbild dieses Kindes, ich darf nichts falsch machen, ich darf ihm nur Gutes geben. Damit es gut aufwächst und gut erzogen ist.

Andererseits haben Sie in der Öffentlichkeit häufig Wutanfälle, vor allem, wenn Sie mit Journalisten sprechen. Sie haben kaum gute Presse. Warum glauben Sie an Ihren politischen Erfolg?

Weil ich der stärkste und mächtigste Mann Rumäniens bin. Insgesamt gesehen. Ökonomisch, politisch, geistig. Mein Alter und sogar mein Aussehen, denn ich sehe ja stärker aus als andere Politiker, all das zusammengenommen sind die Tugenden, die mir Gott gegeben hat. Ich bin imstande, mich aufzuopfern.

Stört Sie das Image, das Sie in den Medien haben?

Früher hat es mich tatsächlich sehr geärgert, und ich habe Rachegefühle gehabt, aber jetzt lächele ich. Nachdem Gott mir so viel gegeben hat, würde er es mir wieder nehmen, wenn ich böse und nachtragend wäre. Außerdem beginnen die jüngeren Journalisten inzwischen mich anzuerkennen. Sie sehen sich die Umfragen an und sehen, dass ich einer der populärsten Politiker bin. Sie sind aus Deutschland, Sie respektieren die Demokratie, Sie sprechen Rumänisch, das bedeutet, dass Sie auch die rumänische Politik studieren und die Umfragen gesehen haben. Also können Sie als Journalist, der die Demokratie respektiert, nicht einfach nur Ihre eigene Meinung schreiben und glauben, dass Sie die absolute Wahrheit hüten. Sie sind verpflichtet, zu schreiben, was die Umfragen sagen und was die Leute wollen. Das ist Demokratie.

Warum sollten die Rumänen Sie zu ihrem Präsidenten wählen wollen?

Ich bin derjenige in diesem Land, dem Gott am meisten gegeben hat, also muss ich auch das schwerste Kreuz tragen. Das schwerste Kreuz ist die Politik, ist Führer zu sein und das Land zu regieren. Ich habe eine Mission sowohl für mein Volk, aber letztlich auch für Europa und für den ganzen Globus.

Was ist das für eine Mission?

Die Rückkehr zum Glauben. Wenn ich auch nur ein Tropfen im Ozean bin, so wird doch meine Stimme immer rufen: Kehrt zurück zum Glauben an Gott.

In Deutschland missioniert niemand, schon gar kein Politiker. Wollen Sie eine Diktatur errichten?

Nein. Ich werde niemals ein Diktator sein.

Aber Sie werden ein harter, starker Führer sein?

Ein Führer der Stärke und der Weisheit.

Vor einem Jahr wurde den Leuten in einem Bukarester Viertel der Strom abgestellt, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlt hatten. Sie sind dann in Ihrem Maybach vorgefahren und haben alles bezahlt, 200 000 Euro. Kann man so die Probleme Rumäniens lösen?

Das sind Gesten. Wenn ich mit meinem Geld kleine Probleme lösen kann, dann kann man mit dem Geld des Landes auch größere Probleme lösen. Bei meinen Spendengesten geht es um die Kunst zu führen, um den Beweis, dass ich führen kann.

Es sind populistische Gesten.

Wenn Sie meinen, dann nennen Sie das eben populistische Gesten, bitte schön. Aber die Tugenden des Populismus können positiv sein. Vorausgesetzt, der populistische Führer, der sie macht, wird nicht zum Tyrannen, und ich werde, wie gesagt, niemals ein Tyrann sein.

Was bedeutet Ihnen Europa, die europäische Integration Rumäniens?

Es gibt in ganz Europa keinen Führer, der die christliche Moral respektiert. Niemand macht eine Politik, die Gott gefällt, der uns geschaffen hat. Denn er hat uns geschaffen. Oder etwa nicht?

Soll ich darauf antworten?

Ja, ich frage Sie!

Ich fürchte, meine Antwort ist nicht nach Ihrem Geschmack.

Was sind Sie denn? Protestant, Katholik?

Ich glaube nicht, dass ein Gott die Menschen geschaffen hat.

Verdammt noch mal, alles, was ich Ihnen erzählt habe, war umsonst. Sie haben nichts begriffen.

Vor fünf Jahren sind Sie in die Politik gegangen, seit Anfang 2004 sind Sie Chef der „Partei Neue Generation – Christdemokraten“. Diese Partei haben Sie von einem ehemaligen Bukarester Bürgermeister übernommen. Es heißt, Sie hätten ihm diese Splitterpartei einfach abgekauft.

Wo haben Sie denn das her? Ich habe eine neue Partei daraus gemacht, die nichts mit den alten kommunistischen Strukturen zu tun hat. Außerdem und ganz ehrlich gesagt, sehe ich auch nicht, dass ich von irgendjemandem geführt werde. Grundsätzlich ja, aber nur von jemandem, der stärker und mächtiger ist als ich, der mehr Weisheit und mehr göttliche Gaben besitzt als ich. Aber ich sehe so jemanden nicht. Deshalb habe ich eine neue Partei daraus gemacht, die ich so führen kann, wie ich es will.

Sie sprechen immer von einem großen Sieg, zu dem Sie das Land führen wollen. Welche gravierenden Probleme hat Rumänien, dass es große Schlachten und einen großen Sieg braucht?

Das Wichtigste ist, Frieden einzuführen. Als Präsident werde ich die ganze Zeit nur „Frieden“ sagen, „Frieden, Frieden, Frieden, Frieden“. Damit es in alle Köpfe eindringt. Damit der ganze Hass und Zank, den die Politiker im Fernsehen verbreiten, endlich aufhört. Das Volk übernimmt immer die Botschaft der Führer, überall auf der Welt. Der Zustand, den die Politiker hier erzeugen, führt zu Spannungen in den Dörfern unseres Landes. Wenn sich der Präsident mit dem Regierungschef prügelt, dann kann ich mich ja auch mit meinem Nachbarn prügeln!

Reicht es denn aus, nur von Frieden zu sprechen?

Sie können sich ja denken, dass ich auch etwas tun werde. Auf alle Fälle muss man die Politiker selektieren. Die rechtschaffenen und rechtgläubigen Politiker aller Parteien müssen sich in einer einzigen starken Partei zusammentun. Danach werde ich eine sehr weitreichende Entscheidung für Rumänien treffen, über die ich aber jetzt noch nichts verraten kann. Eine sehr weitreichende Entscheidung, die niemand außer mir treffen kann.

Ihr politisches Motto, Herr Becali, lautet: „Im Dienste des Kreuzes und der Rumänenschaft“. Sie haben ein Rumänien „wie die Sonne am Himmel“ versprochen. Das sind fast wörtlich Parolen der Legionäre, der rumänischen Faschisten der Zwischenkriegszeit. Und gemeinhin werden Sie und Ihre Partei als rechtsextrem eingestuft.

Rechtsextrem, das bedeutet teuflisch! Es geht also gar nicht, dass ich rechtsextrem bin. Ich stehe bei Christus, auf der Seite der Liebe. Die Rechtsextremen sind auf der Seite des Hasses, aber ich kann gar nicht hassen. Ich liebe! Ich bin rechts, aber nicht rechtsextrem. Ich habe auch keine Sympathien für die Legionäre. Ja, es stimmt: Ich komme aus einer Familie von Legionären. Mein Vater war Legionär. Ich werde meine Herkunft nie verleugnen. Die Legionäre waren auch keine extremistische Bewegung, sie waren eine religiöse Bewegung.

Eine Bewegung, die fortgesetzt Verbrechen und Pogrome gegen Juden verübt hat.

Wo haben Sie denn die Geschichte aufgegabelt? Die Rumänen sind keine Leute, die Verbrechen begehen. Wissen Sie warum? Schauen Sie sich um in den Nachbarländern, in der ganzen Welt des Ostens. Rumänien ist das bravste und ruhigste Land von allen. Hier gibt es keine Verbrechen und keine Mafia. Wir sind kein kriminelles Volk. Wenn ich diese Filme mit den Juden sehe, dann glaube ich nicht, dass die Rumänen, mein Volk, so etwas gemacht haben. Niemals! Die Rumänen sind nicht in der Lage, so etwas zu machen. Und deshalb glaube ich nicht, dass es in Rumänien einen Holocaust gegeben hat.

Aber das ist doch keine Glaubensfrage. Vor vier Jahren wurde von dem damaligen Präsidenten Ion Iliescu eine internationale Historikerkommission unter Leitung von Elie Wiesel eingesetzt, die sehr wohl feststellte, dass es einen rumänischen Holocaust gegeben hat. Wie sehen Sie denn die heutige Situation von ethnischen und religiösen Minderheiten in Ihrem Land?

Das Problem der Minderheiten ist in Rumänien gelöst. Nirgendwo auf der Welt haben Minderheiten mehr Rechte als in Rumänien. Wir sind absolut einzigartig. Wir sind ein sanftes Volk mit friedliebenden Menschen, die am Sonntag die Kirchen füllen. Ich kenne kein Land, in dem die Kirchen so voll sind wie in Rumänien. Überall anderswo in Europa hat man die Kirchen verlassen.

Herr Becali, was, wenn Sie 2009 nicht rumänischer Staatspräsident werden? Was werden Sie dann machen? Und was wird aus Rumänien?

Becali schweigt, schaut verächtlich, dann wirft er seinen Rosenkranz, mit dem er die ganze Zeit spielt, auf den Tisch.

Auch Sie haben irgendwie journalistisch was Tendenziöses an sich. Ihr Deutschen glaubt immer noch, dass ihr Herrenmenschen seid. Aber ich bessere dich. Das ist mein Talent. Sie brauchen mich nicht zu fragen, wie ich das mache, Sie merken es nicht mal. Genau in diesem Moment arbeite ich schon an Ihnen. Einfach dadurch, wie ich bin.

Was werden Sie persönlich machen, wenn Sie nicht Staatspräsident werden?

Wenn ich in der Politik keinen Erfolg habe, mache ich vielleicht die Schafe zu meinem Hobby. Ich habe auch jetzt welche. Dreißig Schafe. Ab und zu gehe ich zu ihnen und betrachte sie. Ich mag das. Sie sind bei mir im Hof, dort, wo ich wohne. Also, möglicherweise werden sie wieder ein Hobby, vielleicht werde ich zwei, drei Stunden am Tag mit ihnen verbringen und mich um sie kümmern. Ich mag Schafe. Sie haben mich großgezogen, und sie haben mich so stark gemacht.

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