Zeitung Heute : Gigolo Romeo und das Geheimnis der Inkaprinzessin

ADMIRALSPALAST In „Best of Rest of Cora Frost“ lässt die singende Exzentrikerin bizarre Bühnengeschöpfe aus 25 Jahren wiederauferstehen – begleitet von einer verwegenen Drei-Mann-Combo

NORBERT TEFELSKI

Das abgegriffene Bild vom Paradiesvogel, hier stimmt es noch einmal auf eine besondere Art, weil sich Cora Frost nach einem verlorenen Paradies sehnt. Sie spricht von „verlorenen Träumen“ sowie, einigermaßen ironisch, von der „Sehnsucht nach Geld und nach früher“. Damit umreißt die 44-jährige Verzauberungskünstlerin das Konzept ihres neuen Bühnenprogramms „Best of Rest of Cora Frost“, dessen Untertitel doppeldeutelt: „Cora Frost singt für die Jugend“. Durchsetzt mit einigen neuen Chansons kommt jenes Liedgut zu Gehör, das Frost-Fans seit den frühen Neunzigern vertraut in den Ohren klingt. Die aus gegebenem Anlass wiedervereinigte Band, Gert Thumser, Toni Nissl und Gary Schmalzl, begleitet Frostsche Songschöpfungen wie die von der dicken Marie, von Ljuba im Kohlfeld oder der brennenden Zwergin Paula Maus.

Dennoch: trotz wohlig-musikalischer Nostalgie soll die Show einen Wendepunkt markieren. Denn ein Wunsch der vor Ideen sprühenden Wahlberlinerin ist es, nicht mehr in die Diseusen-Lade gesteckt zu werden. Schließlich hat sie immer auch als Schauspielerin und Regisseurin gearbeitet – an verschiedenen Theatern, vor der Filmkamera oder bei Performances. Das grundlegende Missverständnis bringt sie auf den Punkt, wenn sie in ihrem vor zehn Jahren erschienenen Buch „Mein Körper ist ein Hotel“ vom ersten Liederabend 1987, „Ich bin ’ur ein ’arm’er Wand’ rerg’ sell“ erzählt: „In meinen Augen war ich als Frau verkleidet und tat so, als würde ich singen. Das Publikum aber hielt mich für eine Frau, die wirklich singt. Das musste ich erst einmal verdauen. Dass ich heute wirklich Sängerin bin, bleibt für mich zutiefst absurd.“

Passend zur Absicht, mit dem Best-of-Programm einen „Schlussstrich“ zu ziehen, erinnert die Rahmenhandlung an Frosts erste Bühnenerfahrungen im Münchener „Intermezzo“. Als artifizielle Stripperin tanzte die damals 18-Jährige durch eine Erotik-Show, die zugleich eine Vampirgeschichte erzählte. In solch einem „Nachtclub, wie es ihn heute kaum noch gibt“, müssen sie und ihr Leib- und Magenpianist Thumser nun die Pausenclowns zwischen den Nummern geben. Zum Beispiel als „Romeo und die Inkaprinzessin“ – nur zwei von vielen verwegenen Figuren, für die Sebastian Ellrich die Kostüme entwarf. Und wenn die zarte „Herrendarstellerin“ und ihr bombiger Begleiter „ein bisschen tanzen“, sind Anleihen bei Fellinis „Ginger und Fred“ nicht zu übersehen.

„Varieté ist der Anfang von allem.“ Auch diese Einsicht verbindet Frau Frost mit Herrn Fellini – und führt unser Gespräch zu Tiernummern und der Frage, wie dressierbar wohl Igel sein mögen. Ihre unbezähmbare Fantasie unterscheidet Cora Frost jedenfalls von anderen Künstlern. Für ihre fabulösen Darbietungen sucht sie sich immer neue Verbündete. Zuletzt trat sie mit den Puppentheater-Avantgardisten „Das Helmi“ in deren „Faust auf Faust“-Inszenierung auf, mit der Produktion tourte sie gerade durch Brasilien. Auf dass die Welt endlich kapiere: „Ich bin keine Chansondiva!“

NORBERT TEFELSKI

Premiere 23.9., 20.30 Uhr

Vorstellungen bis 25.10., jeweils 20.30 Uhr

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