Zeitung Heute : Gipfel des Kompromisses

Fast wäre die Weltklimakonferenz gescheitert. Nun soll bis 2015 ein neuer Vertrag ausgehandelt werden.

Applaus nach dem Kraftakt bekommt die Präsidentin des Gipfels, die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane (rechts), von der Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, und den Delegierten im Abschlussplenum. Einen Rekord hat Durban zumindest aufgestellt: Kein Klimagipfel dauerte bisher 14 Tage. Foto: Rajesh Jantilal/AFP
Applaus nach dem Kraftakt bekommt die Präsidentin des Gipfels, die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane...Foto: AFP

Berlin - Am frühen Sonntagmorgen haben die Delegierten aus 195 Staaten beim Weltklimagipfel in Südafrika ein „Durban Paket“ beschlossen. Der Gipfel war um 36 Stunden verlängert worden, weil bis zuletzt zwischen der Europäischen Union und Indien umstritten blieb, wie verbindlich ein bis 2015 ausgehandelter Weltklimavertrag sein soll. Indien wollte sich nicht auf Verpflichtungen einlassen, die EU wollte keine freiwilligen Beiträge akzeptieren. Beschlossen wurde, dass bis 2015 ein neues „Klimaabkommen, ein anderes rechtlich verbindliches Instrument oder eine Vereinbarung mit Rechtswirksamkeit“ ausgehandelt sein soll, das 2020 in Kraft treten soll. Damit würden erstmals auch die Schwellenländer verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Zudem würden die USA, die sich dem Klimaschutz bisher weitgehend verweigern, in einen Vertrag integriert.

„Das ist mehr als erwartet, dennoch ist das Ergebnis arg zwiespältig“, sagte der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Hans-Joachim Schellnhuber dem Tagesspiegel. „Der Weltklimavertrag kommt später, als aus Sicht der Erdsystemforschung richtig wäre.“ Das Ziel, die globale Erwärmung unter zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu halten, sei nur erreichbar, wenn der globale Treibhausgasausstoß vor 2015 zu sinken beginnt. Allerdings sei die Tür zum Abkommen wieder offen und mache den Aufbau kohlenstoffarmer Energiesysteme einfacher. „Der Energiezug könnte den Klimazug überholen“, sagte Schellnhuber.

Auch Ottmar Edenhofer, der nicht nur Chefökonom des PIK ist, sondern auch einer Arbeitsgruppe im Weltklimarat vorsteht, hält es für entscheidend, dass der UN-Verhandlungsprozess ergänzt wird. Mit der Förderung von klimaschädlichen Energieträgern „wird jede Tonne Kohlendioxid mit neun Dollar subventioniert“, sagte er dem Tagesspiegel. Das sei fast so viel, wie die Tonne CO2 derzeit im europäischen Emissionshandel koste.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte: „Das Paket von Durban ist ein großer, wegweisender Erfolg für den Klimaschutz.“ EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard meinte zufrieden: „Unsere Strategie ist aufgegangen.“ Die Präsidentin des Gipfels, die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana- Mashabane, sagte: „Wir haben Geschichte geschrieben.“ Dagegen sahen sich Indien und China, deren Unterhändler sich mit emotionalen Reden wehrten, zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Die Umweltverbände reagierten durchweg enttäuscht. Die Klimachefin des WWF, Regine Günther, sagte: „Die Welt verdient einen besseren Deal als den lauwarmen Klimakompromiss von Durban.“

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