GITARRENROCKDinosaur Jr. : Ehrlich lärmt am längsten

Zu laut, zu brachial, zu grobkörnig und vor allem: viel zu lang. Das beschreibt ungefähr die Art und Weise, mit der Joseph Donald, kurz: „J“, Mascis (Foto, vorn) als Sologitarrist in die zarten melodischen Lineaturen der Songs von Dinosaur Jr. hineingrätscht. Auf „I bet on Sky“, der zehnten Platte des Noiserock-Trio aus Massachussetts, erledigt er seinen Job mit niemals nachlassender Emphase und einem stolzen, am großen Vorbild Neil Young geschulten Stoizismus – quasi nebenbei überzeugt er auch noch als somnambuler Leadsänger. Mascis’ unerschütterliche Haltung erklärt zugleich, warum diese Band auch im dreißgsten Jahr ihres Bestehens von den Fans geliebt wird wie am ersten Tag: Unter keinen Umständen würden er oder seine Mitstreiter, Bassist Lou Barlow (links) und Drummer Murph, dem musikalischen Zeitgeist auch nur das allerkleinste Zugeständnis machen.

Dabei war die Wertschätzung des Gitarrensolos im Indierock in den letzten 30 Jahren beträchtlichen Schwankungen ausgesetzt. Tatsächlich hat fast keine der amerikanischen Gitarrenlärmbands der Achtziger – ob Screaming Trees, Butthole Surfers, Sonic Youth oder Eleventh Dream Day – die Jahrzehnte unbeschadet überstanden. Nur Mascis lärmt mit Dinosaur Jr. wie eh und je vor sich hin. Mit der Einschränkung, dass die Band eine mehrjährige Auszeit überdauern musste nach einem Zerwürfnis zwischen Mascis und Barlow, der derweil mit Sebadoh und Folk Implosion zwei eigene, erfolgreiche Gruppen am Start hatte. Mascis hat in der Zwischenzeit mit anderen Begleitern exakt den gleichen Sound produziert, bis die Streithähne 2005 das Kriegsbeil begruben. Seitdem ist wieder alles gut im Dinosaurierland. Jörg Wunder

Postbahnhof, Di 19.2., 21 Uhr, 23 € + VVK

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