GLAM-POPMika : Kullerauge sei wachsam

Jörg W erD

Irgendwie wirkte von Anfang an alles eine Nummer übertrieben an Mika. Zu groß und viel zu hübsch der ganze Kerl, ein langes Elend mit endlosen Beinen, riesigen Händen, Denkerschädel und einer Extraportion Kulleraugen. Zu theatralisch seine Bühnengestik, wenn er sich wie ein Pfau in Pose wirft oder auf seinem Piano räkelt wie Michelle Pfeiffer in „Die fabelhaften Baker Boys“. Gänzlich unhaltbar natürlich sein affektierter Operettengesang, mit dem er niemand Geringeren als den Pop-Säulenheiligen Freddie Mercury herausfordert – ein Vergleich, bei dem man eigentlich nur verlieren kann.

Doch selbst dies wurde dem mit einer Überdosis Talent gesegneten Youngster verziehen: Als er 2006, gerade 22-jährig, mit dem Glampop-Smasher „Relax, take it easy“ zunächst in England, mit der Nachfolgesingle „Grace Kelly“ dann in ganz Europa die Hitparaden stürmte, nahm auch Mikas Erfolg außergewöhnliche Dimensionen an. Fast sechs Millionen Mal wurde sein Debütalbum verkauft. Bei den anschließenden Tourneen konnte der Schwarm kleiner Mädchen und großer Jungs buchstäblich durch die Teddybär-Hundertschaften waten, die ihm auf die Bühne geworfen wurden. Wie wetterwendisch in heutigen Zeiten die Gunst des Publikums sein kann, zeigt sich bei Mikas zweiter Platte „The Boy who knew too much“, die, obwohl keinen Deut weniger bombastoglamourös als der Vorgänger, bislang eher bescheidene Verkaufszahlen erzielte. Aber auch wenn jetzt das Phänomen Mika auf Normalmaß geschrumpft ist, sollte die Präsenz des geborenen Entertainers helfen, das Erfolgsruder wieder rumzureißen.Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, Mi 24.3., 20 Uhr, 29 € + VVK

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