Zeitung Heute : Gleiches gleich vergelten

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Der Arzneimittelhersteller Altana hatte jüngst eine Klage gegen eine USPharmafirma angestrengt. Was hat zu dem aggressiven Kampf um Patente geführt?

In der Pharmabranche ist es ein bisschen wie auf dem Fußballfeld: Sobald die gegnerische Mannschaft eine Lücke in der Abwehrmauer lässt, greift die andere Seite an – und schießt mit etwas Glück ein Tor. Ähnlich wie Fußballteams ihr Tor, schützen Pharmafirmen wie Altana ihre Medikamente: Sie umgeben sie mit dicken Abwehrmauern aus Patenten. Das soll die Hersteller von billigen Nachahmermedikamenten (Generika) davon abhalten, die teuren Originale zu kopieren und einen großen Teil des Umsatzes in die eigene Tasche zu stecken. Doch immer öfter greifen die Generikafirmen trotzdem an.

„Die Aggressivität nimmt zu“, sagt ein Pharmaanalyst. Nach einer Schätzung der Deutschen Bank sind zurzeit Medikamente mit einem US-Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar von Patentklagen betroffen. Für Patienten ist das eine gute Nachricht: Denn die Pillen werden billiger, sobald Generika auftauchen.

Bei Altana heißt der Angreifer Sun Pharma. Das Unternehmen hat in den USA einen Antrag auf ein Nachahmermedikament für das umsatzstarke Magenmittel Protonix gestellt, das Altana in Europa unter dem Namen Pantoprazol vermarktet. In den USA laufen die Patente noch bis 2010. Pantoprazol ist Altanas wichtigstes Produkt – allein im vergangenen Jahr bescherte es dem Unternehmen einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Sollte ein Generikum zugelassen werden, würde der Umsatz mit dem Original innerhalb kürzester Zeit um 70 bis 80 Prozent sinken. Altana versucht, das mit der Klage gegen Sun Pharma zu verhindern.

Auch viele andere Pharmafirmen sind derzeit von Nachahmerkonkurrenz bedroht, darunter auch Schering. Die Generikahersteller versuchen trickreich, Lücken in der Patentmauer der Originalpillen zu finden und nachzuweisen, dass die bestehenden Patente entweder ungültig oder zu schwach sind. Das lohnt sich vor allem in den USA. Dort ermuntert der Gesetzgeber die Pharma-Aldis bewusst zu frühen Angriffen, um den Preiswettbewerb auf dem wichtigsten Pharmamarkt der Welt anzustacheln. Im Erfolgsfall – und das heißt meist: nach jahrelangem, teuren Streit vor Gericht – dürfen die Pillen-Discounter ihre Kopie ein halbes Jahr lang exklusiv vermarkten. Alternativ können sie mit dem Hersteller des Originals ein Stillhalteabkommen aushandeln – und gegen Zahlung von viel Geld darauf verzichten, dass zugelassene Generikum sofort auf den Markt zu bringen. Auch das ist noch ein einträgliches Geschäft.

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