Zeitung Heute : Globetrotter: Abenteurer der Neuzeit

Manfred Köhler: Sich einfach auf den Weg mach

Vor drei Jahren wurden Silke Hofmann und Thomas Kropff auf einer Kanutour im kolumbianischen Dschungel entführt. Guerilleros hielten die beiden Abenteurer aus Jena drei Wochen lang gefangen. Während dieser Zeit in einem Dschungeldorf erfuhren sie von ihren Kidnappern gar nichts, weder deren eventuelle Forderungen, noch die Höhe des Lösegeldes. Plötzlich kam das Paar frei, erreichte nach drei Tagen die Stadt Turbo, rief die Deutsche Botschaft an und musste erfahren, dass niemand von der Entführung etwas wusste.

Mit dieser bewegenden Geschichte beginnt Manfred Köhler sein Buch, in dem er die Erfahrungen von 25 Abenteurern zusammengetragen hat. Dazu gehören solche berühmten Männer wie Rüdiger Nehberg, Deutschlands populärster Expeditions-Abenteurer, oder die beiden Weltumradler Axel Brümmer und Peter Glöckner aus Thüringen. Zu Wort kommen auch so genannte stille Stars, die nicht mit Dia-Vorträgen in großen Hallen auftreten, wie zum Beispiel Christina Haverkamp, die insbesondere mit ihren Aktionen zur Rettung der Yanomami-Indianer bundesweit bekannt wurde. Eine dritte Gruppe sind jene Globetrotter, die unterwegs ihr persönliches Abenteuer suchen ohne dabei spektakuläre Leistungen zu vollbringen. Wenn die Erfahrungen auch unterschiedlich sind, aber sie zeigen, dass es weniger Tollkühnheit als vielmehr ein höheres Maß an Eigeninitiative ist, was die Abenteurer von Pauschaltouristen unterscheidet.

Für die Lektüre des Bandes erweist es sich als vorteilhaft, dass eingangs zunächst alle interviewten Globetrotter in Kurzporträts vorgestellt werden. Dann folgen sechs thematisch gegliederte Kapitel, in denen der Autor die unterschiedlichen Aspekte des Reise-Abenteuers erörtert. Dabei geht es immer dann spannend zu, wenn einzigartige Begebenheiten, die Rüdiger Nehberg erlebt hat, als Beispiele aufgeführt werden. Nachdenklich stimmt vor allem das sechste Kapitel, das tiefgehende persönliche Erkentnisse offenbart, die das Leben der befragten Abenteurer bereichert haben. Dabei wird auch die dunkle Seite des Lebens beleuchtet: Die beiden Weltumradler zum Beispiel mussten in einer Extremsituation, dem Hungertod nahe, erkennen, dass "wir nicht so sind, wie wir gerne sein würden." Dieses Buch - mit den Lebenserfahrungen von Globetrottern und Abenteurern, so der Untertitel - dürfte für all jene höchst interessante Lektüre sein, die sich dazu entschlossen haben, mit der nächsten Reise ausgetretene Pfade zu verlassen oder an einer Expedition teilzunehmen, um sich seine Träume zu verwirklichen und sich dabei selbst zu entdecken, egal wie ausgefallen die Träume auch sein mögen. hue

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