GLOSSAR : Zinsen, Kurse und Bilanzen: Wer sie steuert und wie sie berechnet werden

Notenbank

oder Zentralbank



heißt die staatliche Behörde, die für die Ausgabe einer Währung verantwortlich ist und die Geldentwertung steuert. Bei der Notenbank können private Banken zu einem festgesetzten Zinssatz Kredite aufnehmen und dieses Geld an Unternehmen und Privatleute weiter verleihen. Je höher der Zins, den die Notenbank verlangt, desto weniger Geld kommt in Umlauf, weil die höheren Zinsen Investitionen auf Kredit teurer machen. Indem sie darauf achten, dass die Geldmenge nicht übermäßig schneller wächst als der Wert der produzierten Waren und Dienstsleistungen, können Notenbanken dafür sorgen, dass der Wert des Geldes stabil bleibt.



Der Wechselkurs

bezeichnet den Wert einer Währung, ausgedrückt in der Einheit einer anderen Währung. Der Kurs einer frei gehandelten Währung wie etwa des Euro steigt, wenn mehr Anleger versuchen, ihr Geld in Euro zu tauschen, als umgekehrt Eigentümer von Eurobeständen in andere Währungen wechseln wollen. Viele Zentralbanken, wie zum Beispiel jene in China oder in den Ölstaaten am Golf, lassen ihre Währungen aber nicht frei schwanken. Sie kaufen alle ausländischen Devisen, die in ihren Ländern angeboten werden, zu festen Kursen auf und verhindern so, dass ihre Währung im Verhältnis an Wert gewinnt. In der Folge bleibt der Preis ihrer Exportwaren auf den Weltmärkten konstant. Voraussetzung dafür ist jedoch die Kontrolle des Kapitalverkehrs mit dem Ausland.

Bretton Woods

ist der Name des Kurorts im US-Bundesstaat New Hampshire, in dem 1944 rund 700 Delegierte aus 44 Nationen das Finanzsystem der Nachkriegszeit begründeten. Neben der Einrichtung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank beschlossen die beteiligten Staaten auch ein System fester Wechselkurse für die Währungen der westlichen Marktwirtschaften. Weil damit eine strikte Begrenzung des Kapitalverkehrs auf die Finanzierung von Handel und Investitionen verbunden war, gab es bis Ende der 60er Jahre keine internationalen Finanzkrisen mehr. Das System band alle Währungen an den Dollar, dessen Wert wiederum vollständig durch Amerikas Goldreserven gedeckt war. Ab 1969 begann aber der damalige US-Präsident Richard Nixon, den Vietnamkrieg mithilfe von Notenbankkrediten zu finanzieren. Das entwertete den Dollar, und Nixon musste die Goldbindung der US-Währung kündigen. Parallel dazu schuf die britische Regierung einen unkontrollierten Kapitalmarkt in London, wo europäische Unternehmen Kredite zu niedrigen Zinsen in Dollar aufnehmen konnten, die sie anschließend in D-Mark wechselten. Um den Wechselkurs stabil zu halten, kaufte die Bundesbank zunächst alle überschüssigen Dollar auf. 1973 gaben die beteiligten Regierungen das System schließlich auf.

Die Leistungsbilanz

bezeichnet das Verhältnis zwischen den Exporten und den Importen von Waren und Dienstleistungen eines Landes. Darin eingeschlossen sind zum Beispiel als Import von Dienstleistungen auch die Ausgaben von Touristen im Ausland. Verzeichnet ein Land ein Defizit in der Leistungsbilanz, dann verbrauchen seine Bürger und Unternehmen mehr Waren und Dienstleistungen, als sie selbst produzieren. Das ist nur möglich, wenn mehr Kapital aus dem Ausland ins Land strömt als umgekehrt abfließt. Darum steigt bei einem Defizit in der Leistungsbilanz die Auslandsverschuldung. Die Handelsbilanz benennt dagegen nur das Verhältnis zwischen dem Ex- und Import von Waren und lässt keinen Rückschluss auf die Kapitalbilanz zu.

Staatsfonds

sind Investmentfonds, die staatliche Kapitalrücklagen verwalten und weltweit in Wertpapiere und Unternehmen investieren. Auf diesem Weg bilden zum Beispiel Norwegen und die arabischen Golfstaaten aus den Einnahmen im Ölgeschäft Rücklagen in dreistelliger Milliardenhöhe für die Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen. Genauso halten es China und Singapur mit ihren im Exportgeschäft angehäuften Devisenreserven (siehe Grafik Seite S 6).

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