Zeitung Heute : Glück in der Arbeit

Barbara Bierach

Macht Geld glücklich? Die gute Nachricht lautet: Ja. Die schlechte: Aber nicht auf Dauer. Steigender Wohlstand macht nur bis zu einem bestimmten Niveau immer zufriedener. Der Mensch gewöhnt sich nämlich an alles, auch an Luxus. Glücksforscher Richard Layard beschreibt die Unfähigkeit zum dauerhaften Glück: „Der erste, der mit einem BMW aufkreuzt, fühlt sich noch großartig, wenn aber jeder einen hat, fühlen sich alle so, als würden sie wieder mit einem kleinen VW fahren.“

Wenn nicht mal Knete glücklich macht, was dann? Auf Dauer nur Arbeit, sagt die Wissenschaft. Vermutlich ist deswegen die Arbeitszufriedenheit für die meisten Menschen das Wichtigste. Entsprechend vernichtend wird Arbeitslosigkeit empfunden. Während man sich an Geld schnell gewöhnt, schmerzt der Mangel an Sinn viele Arbeitslose nach Jahren noch wie am ersten Tag.

Wenn wir also darüber sprechen, warum in Deutschland jedes fünfte Kind ausländischer Abstammung die Schule ohne Abschluss verlässt, sprechen wir nicht nur über ökonomische Probleme, sondern über das Lebensglück zehntausender Kinder. Denn Jobs für Ungelernte werden täglich weniger. So ziemlich alles, was man ohne größere Vorbildung betreiben kann, wird nach Osten verlagert. Ohne Ausbildung geht in Deutschland gar nichts. Und mit einer schlechten Ausbildung auch nicht mehr viel.

Ständig werden Lehrstellen nicht besetzt, weil sich niemand findet, der die nötigen Voraussetzungen mitbringt: Die Bewerbungen sind voller Schreibfehler, die Lehrstellensucher scheitern schon an simplen Rechenaufgaben. Im Land der Dichter und Denker bleibt der Dreisatz für viele ein undurchschaubares Geheimnis. Wer ist schuld daran? Die Kids selber sicher nicht. Eher die Ignoranz ihrer Eltern und ein Bildungssystem, das vor lauter Liberalität vergessen hat, dass Fördern vor allem Fordern heißt.

Ein Glück also, dass nun Unternehmen in die Bresche springen und zum Beispiel Einstiegspraktika anbieten, damit auch die Chancenlosen eine Chance bekommen. Während die Kultusminister noch über Pisa diskutieren, machen sie den Nachwuchs fit für eine Ausbildung. Das kann vielen jungen Erwachsenen zu einem besseren Start ins Lebensglück verhelfen – und den Unternehmen zu einsatzfähigem Nachwuchs. Es darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich hier nur um die nötigsten Aufräumarbeiten der Trümmer handelt, die ein miserables Schulsystem hinterlässt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben