GM behält Opel : Die Mutter muss viel lernen

Opel wird überleben. Wenn sich Zorn und Sorgen gelegt haben, wenn der Pulverdampf verflogen ist und die stolze deutsche Automarke saniert, dann wird der Blitz wieder einschlagen. An der Härte der anstehenden Sanierung ändert das nichts.

Henrik Mortsiefer

Opel wird Autos für die Zukunft bauen – ob mit Magna und den Russen, mit Fiat, Ripplewood oder eben mit General Motors.

Kein Bieter, der sich in den vergangenen Chaosmonaten bei Opel eingemischt hat, zog die Überlebensfähigkeit der Traditionsfirma in Zweifel. Der Untergang war stets nur Drohkulisse. Wer der Autonation den Kadett bescherte, der wird ihr auch mit dem neuen Astra und in Zukunft mit dem elektrischen Ampera Freude am Fahren bereiten – diesem Glaubensbekenntnis schließt sich der Eigentümer GM an. Egal was gestern galt: Weil Opel doch so wertvoll ist, macht die amerikanische Mutter die Sanierung am besten selbst, lautet die Botschaft aus Detroit. Genau das könnte Opel den letzten Lebensnerv rauben.

Denn der US-Konzern mit seinen alten und neuen Managern hat nicht bewiesen, dass er nach überstandener Insolvenz so gesund, liquide und der Zukunft zugewandt ist wie verbreitet wird. Auch die Wertschätzung der Rüsselsheimer Ingenieurskunst ist unverbindlich wie vorher. Wie die Ideen aus Deutschland Millionen Autos von GM in aller Welt modernisieren sollen, bleibt rätselhaft. Die Welt AG, schon andernorts gescheitert, lässt grüßen. Allein ein Blick auf die Internetseite des US-Herstellers wirft die Frage auf, mit welchen Autos GM eigentlich die „Re-Invention“, also seine Neuerfindung, schaffen will.

Ein guter Oktober ist jedenfalls noch keine Trendwende, wenn es vorher trotz Abwrackprämie beim Autoabsatz 21 Monate lang nach unten ging. Dennoch verweisen die Amerikaner darauf, wenn sie ihre Auferstehung erklären. Dabei ist GM’s Marktanteil auf dem Heimatmarkt in knapp zehn Jahren um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Die Nummer eins heißt bald Toyota. Die Ursachen liegen tief: eklatante Managementfehler, falsche Modellpolitik, Ignoranz beim Klimaschutz und eine autoritär-arrogante Führung ausländischer Standorte. Letzteres erklärt das Entsetzen, mit dem deutsche Arbeitnehmer auf die Kehrtwende in Detroit reagieren. Mit der demoralisierten Belegschaft den Neustart zu schaffen, wird wohl die größte Last für General Motors werden.

Doch angenommen, die von der US-Regierung eingesetzten Manager wollten aus den Fehlern lernen, dann hat Opel eine Chance, wenn der Mutterkonzern nicht nur schöngeredet, sondern tatsächlich renoviert wird. Dabei könnten deutsche Autobauer Modell stehen. Bei Volkswagen kann sich GM anschauen, wie gemeinsame Plattformen und Baukästen die Produktion verschiedener Konzernmarken effizienter machen, ohne dass die Markenprofile unscharf werden. BMW könnte Vorbild für innovative Motorentechnik sein, die große Autos umweltfreundlicher macht. Daimler schließlich wäre als Weltmarktführer für Nutzfahrzeuge das Modell, wie sich Größe in Krisenzeiten managen lässt, ohne dass Zukunftsinvestitionen ausbleiben.

An der Härte der Sanierung ändert das nichts. 10 000 Opelaner werden ihren Job verlieren, die Schließung von Werken auch in Deutschland wird weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern vernichten. Das ist der Preis der Rettung. Wenn GM will, dass Arbeitnehmer und Steuerzahler einen Teil der Rechnung bezahlen, muss der US-Konzern berechenbar werden. Sonst wird Opel sterben.

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