Zeitung Heute : Gnadenlos verfolgt

Warum die Amerikaner Jemen besondere Aufmerksamkeit im Kampf gegen den Terror widmen

Birgit Cerha[Jemen]

„Bereut“, rief Abdallah Saleh über Radio und Fernsehen. Eindringlich appellierte Jemens Präsident an alle Landsleute, die sich dem Al-Qaida-Terrornetz Osama bin Ladens angeschlossen hatten, „jeglicher Gewalt“ zu entsagen und sich den Behörden zu stellen. Sonst könnte ihnen dasselbe Schicksal ereilen, wie Kaid Sinian al Harithi, genannt Abu Ali, und fünf seiner Gesinnungsgenossen, die Sonntag durch eine ferngesteuerte amerikanische Rakete in einem Auto getötet worden waren. Die Jemeniten waren dem führenden Al-Qaida-Aktivisten, der unter anderem der Verwicklung in den Terroranschlag auf das US-Kriegsschiff Cole 2000 verdächtigt wird, schon seit langem auf der Spur gewesen.

Regierungssoldaten waren vergangenen Dezember bei dem Versuch, Abu Ali in der von unabhängigen Stämmen kontrollierten Marib-Region festzunehmen, kläglich gescheitert. 18 Soldaten waren damals bei heftigen Kämpfen gegen Stammesangehörige ums Leben gekommen. US-Geheimdienstkreise sind davon überzeugt, dass ein großer Teil der aus Afghanistan geflüchtete Al-Qaida-Terroristen in Jemen Unterschlupf fand. Die Zentralregierung in Sanaa hat es bis heute nicht geschafft, weite Teile des wilden Gebirgslandes unter ihre Kontrolle zu bringen. Regierungstruppen können sich in diesen Regionen nur mit Zustimmung der lokalen schwer bewaffneten Stammesführer bewegen, die wild entschlossen ihre Eigenständigkeit verteidigen.

Bin Ladens tiefe Abneigung gegen den Westen findet unter den xenophoben Bewohnern entlegener Regionen durchaus Sympathie. Die Jemeniten verweisen bis heute voll stolz darauf, dass sie als einziges arabisches Land westlichem Kolonialismus widerstanden hatten und bisher auch der einzige Staat auf der Arabischen Halbinsel waren, in dem die USA keinen Militärstützpunkt eingerichtet hatten.

Zahlreiche Gewaltakte in Jemen, darunter auch jener gegen die USS Cole, der 17 US-Marines tötete, dürften beispielsweise von Abd al Rahim al Nashiri, der für den Persischen Golf zuständige Operationschef Osama bin Ladens, geplant worden sein. Sechs des Anschlags Verdächtige warten derzeit in Sanaa auf ihren Prozess. Nach Angaben der Behörden wurden in den vergangenen Monaten 85 Al-Qaida-Verdächtige in Jemen verhaftet. Und die US-Präsenz im Land wächst.

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