Zeitung Heute : Gnutella: US-Filmindustrie nimmt den File-Sharing-Dienst aufs Korn

Rita Neubauer

Nach dem Streit um die Musiktauschbörse Napster geht es nun offenbar auch Filmtauschdiensten im Internet an den Kragen, vor allem dem File-Sharing-Dienst Gnutella. Erst vor kurzem hatte der Verband der nordamerikanischen Musikindustrie (RIAA) noch versichert, dass Gnutella für die Plattenhersteller keine Gefahr darstelle. Nun ergriff MPAA, der Verband der US-Filmstudios der USA, erste Schritte gegen den File-Sharing-Dienst.

MPAA verschickte hunderte von Briefe an Internet-Provider und Universitäten mit der Aufforderung, das illegale Herunterladen von Film-Dateien über ihr Netzwerk zu unterbinden. Konkret benannt wurde die Plattform Gnutella.

Vor allem Studenten gehören zu den größten Fans von Tauschbörsen und die Filmindustrie fürchtet, dass sie einer ähnlichen Entwicklung wie Napster entgegensieht. Mittels Napster, das von der RIAA wegen Urheberrechtsverletzung verklagt wird, lassen sich Musiktitel - zum Beispiel von Madonna oder Depeche Mode - kostenlos aus dem Internet herunterladen.

Gnutella ist eine ähnlich Tauschbörse wie Napster, jedoch mit einem großen Unterschied:: Es ist ein P2P (Peer-to-Peer)-Network, das ohne zentralen Rechner auskommt. Während Napster die Verbindung zwischen seinen Mitgliedern über einen zentralen Rechner herstellt, sind bei Gnutella die Computer direkt miteinander verbunden.

Die Software macht den Plattenfirmen und auch der Filmindustrie das Prozessieren schwer, weil es außer den beteiligten Surfern niemanden gibt, den man belangen kann. Wegen des fehlenden Zentralrechners haben Copyright-Inhaber bei Gnutella keine Möglichkeit, eine Ausschaltung dieses Dienstes zu erwirken, wie bei Napster. Dies wissend, geht die Filmindustrie die Provider direkt an und verweist auf den Digital Copyright Millennium Act (DCMA), der den Vertrieb urheberrechtlich geschützter Werke verbietet.

Da es Stunden dauern kann, bis ein Film heruntergeladen ist, werden Film-Dateien bislang weit weniger getauscht als Musik. Die MPAA scheint jedoch die Erfahrungen der Musikindustrie vermeiden zu wollen, die über Monate tatenlos zusah, wie Napster von der bloßen Spielerei eines 23jährigen zu einer Millionen-Bewegung mit mittlerweile weit über 70 Millionen Nutzern heranwuchs.

Als einer der ersten Internet-Provider reagierte Excite@Home auf den MPAA-Brief und drohte 20 seiner Kunden mit der Kündigung der Mitgliedschaft, sollten sie weiterhin Filme über Gnutella herunterladen und tauschen. Harris Schwartz, der für die Netzwerk-Politik für den Provider in Silicon Valley zuständig ist, erklärte jedoch, dass Excite@Home nicht leichthin Kunden angehe: "Wir wollen Beweise sehen."

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