Goal! : Der Popstar im Fußballer

Der unaufhaltsame Aufstieg des Santiago Munez vom Straßenkicker zum Fußball-Idol: Ausgerechnet ein US-Amerikaner hat den Großauftrag bekommen, dem Kulturgut Fußball in einer Film-Trilogie zu huldigen. "Goal!" ist erst der Anfang.

Der Ball war schon immer sein Freund. Und es gibt für ein argentinisches Auswandererkind dankbarere Orte als Los Angeles, um Fußball-Profi zu werden. Santiago Munez kann an der Kugel nicht nur viel, sondern so ziemlich alles. Auf den Bolzplätzen und in der College-League ist er der unangefochtene König. Ein Ballvirtuose, ein Zauberer, unschlagbar im Dribbling und bei Freistößen - und trotzdem ein anständiger Junge, der die Gärten der Reichen putzt, um die Familie über die Runden zu bringen.

Natürlich träumt er von Höherem, von Geld und Titeln, von Ehre und Ruhm. Und siehe da, tatsächlich verläuft sich der nicht mehr ganz so erfolgreiche, aber umso sympathischere Scout Glen Foy (Stephen Dilane) auf einen der Freizeitplätze und überredet den filigranen Ballzauberer, alles Ersparte zusammenzukratzen, nach Europa zu fliegen und bei Newcastle United ein Probetraining zu absolvieren. Das läuft freilich nicht reibungslos und bis zum ersten Spiel in der Startelf ist es noch ein eher hartes Geholze. Doch Munez wird alles meistern, keine Frage. Denn sein Spiel hat dieses "magische Moment", wie Foy es nennt.

Zwischen Party, PlayStation und Depression

http://www.tagesspiegel.de/bilder/kultur/foy.jpg" align="right" vspace="3" hspace="6" border="0" /> Insofern hält der Plot von "Goal!" nicht gerade Visionäres bereit. Und was die Protagonisten auf Munez` weiter Reise angeht, könnten sie pragmatischer nicht gezeichnet sein: Harris (Alessandro Nivola), die millionenschwere Mittelfeld-Diva zwischen Party, PlayStation und Depression; Rankin (Sean Pertwee), der arrogante und schwer behängte Spieler-Agent; McGowen (Kieran O`Brien), der leicht rassistische und in die Jahre gekommene Blutgrätschenverteidiger; Roz (Anna Friel), die Krankenschwester von edelster Natur und das obligate Mädchen zum Verlieben.

Aber paradoxerweise gehören diese unaufgeregten Charakterstudien zu den Stärken von Danny Connons Regiearbeit. Der Slomo-Fetischist will Fußball nicht erfinden, sondern einfach nur abbilden, denn Fußball ist in seiner Essenz nun mal ein einfaches Spiel. Mit allem Pathos, mit allen falschen Versprechungen, mit vielen Niederlagen. Das geht schon bei der Club-Wahl los. Newcastle: eine mittelgroße Stadt, ein traditionsreicher, aber nicht titelverdächtiger Club und fanatische Anhänger - hundert Prozent repräsentativ für die Seele des englischen Fußballs. Wenn die Kamera von der Küste zum St.-James`-Park-Stadion gleitet, das Gejohle der Massen hautnah einfängt und den Ball auf seiner schnellen Reise ins Tornetz durch Gras und Bein begleitet - dann geht im Herz des gemeinen Fußball-Fans die Sonne auf, trotz britischer Regenlastigkeit. Sogar Oasis-Songs können jetzt wieder Spaß machen.

Nicht virtuos in den Winkel, sondern knallhart in die Mitte

http://www.tagesspiegel.de/bilder/kultur/krankenhaus_17x12.jpg" align="left" vspace="3" hspace="6" border="0" /> Und schließlich der durchaus gefühlsfähige Hauptakteur selbst: Kuno Becker kann nicht nur tatsächlich mit der Pille umgehen, sondern erinnert optisch erstaunlich an Robbie Williams. Der Popstar im Fußballer also. Perfekt. Als schwebte Mister Entertainment höchstpersönlich über den heiligen Rasen.

Die besten Momente erlebt "Goal!" freilich an den Schnittstellen zur Realität: Wenn Munez nach großem Spiel mit David Beckham smalltalked, bei Zinedine Zidane und Raúl in edlen Clubs flaniert und Alan Shearer ehrfurchtsvoll das Fitnessgerät überlässt. Im WM-Rausch der nächsten Monate dürfte Connons Fußball-Epos ein sicherer Hit sein. Den ersten Elfmeter hat er locker verwandelt. Nicht virtuos in den Winkel oder spekulativ halbrechts, sondern knallhart in die Mitte.

Der Blick in die Zukunft kann für Santiago Munez nicht rosiger sein: Champions-League bei Real Madrid und Weltmeister mit Argentinien. Große Geschichten werden nun mal in drei Teilen erzählt. Ein Schuss, ein Tor, ein Traum.

Friedrich Pohl

Ab 27. Oktober in den deutschen Kinos. ()

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