Zeitung Heute : Gold oder Geld

Christiane Peitz

Deutsche Kinos nehmen den mit dem Oscar ausgezeichneten Film „L. A. Crash“ wieder ins Programm, nachdem er im Herbst nur mäßig gelaufen war. Wie viel kann ein Oscar einbringen?


Los Angeles in der Oscar-Nacht: eine Stadt im Goldrausch. Schließlich geht es bei den Academy Awards auch ums Geld. Ein Oscar ist ein Versprechen: auf Kassenerfolg, auf bessere Aussichten für das nächste Projekt. Ein Risikospiel, ein teures dazu. Zwar kostete Ang Lees Favorit „Brokeback Mountain“ nur 13 Millionen Dollar, aber statt des bis zur Verleihung prognostizierten zehnfachen Einspiels blieb es bislang bei 75 Millionen Dollar, zwei Millionen weniger als der Oscar-gekrönte Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“ einbrachte. Doku schlägt Fiction, das gab es noch nie.

Allein 30 Millionen gingen bei Ang Lees Film für die Oscar-Kampagne drauf, mit der um die Aufmerksamkeit der 5732 Academy-Mitglieder geworben wurde. Den Filmemachern wird das nicht das Genick brechen; in Europa wird der schwule Western gewiss ein großes Publikum finden, deutscher Kinostart ist am Donnerstag. Die Kampagnenmillionen waren dennoch: vergebliche Liebesmüh.

Und was bringt der Oscar dem Überraschungssieger „L. A. Crash“? In Amerika ist die 6,5-Millionen-Dollar-Produktion längst ausgewertet, in Deutschland fand sie 220 000 Zuschauer, weltweit spielte Paul Haggis’ Sozialdrama knapp 70 Millionen Euro ein. Der deutsche Verleih, Universum in München, setzt dennoch auf den Außenseiter-Erfolg und bringt den Film nun erneut mit 50 Kopien ins Kino. Möglich ist das übrigens, weil nach dem Verbot des „Rohtenburg“-Films kurzfristig Leinwände frei wurden.

Dabei ist „L. A. Crash“ auch hierzulande seit 9. Januar auf DVD erhältlich. Die kriselnde Filmindustrie tritt die Flucht nach vorne an: Auch mit den Oscars kämpft sie nun um jeden einzelnen Kinogänger. Und das weniger bei den aufwändigen Hollywoodspektakeln als bei den unabhängigen Produktionen mit den schmalen Budgets, die diesmal das Gros der Oscar-Kandidaten stellten. Nur 187 Millionen Dollar kosteten die fünf nominierten Filme gemeinsam, von „Capote“ bis „München“. Sie buhlen weniger um ein Millionenpublikum, als um die Kinolust der Anpruchsvolleren. Wie sagte George Clooney in der Oscar-Nacht? Die Schönheit der Academy liege in den kleinen Momenten, in denen sie sagt: „Lasst uns über diese Filme reden, die die meisten Leute wahrscheinlich nicht zu sehen bekommen.“

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