Zeitung Heute : Goldene Küsten und Orangenhaine - An Costa Dorada und Costa del Azahar sind Immobilien günstig

chh

Am Anfang stand das Wirtschaftswunder. In den 50er Jahren pilgerten deutsche Urlauber in voll beladenen VW-Käfern und Ford 20 M via Frankreich nach Spanien. Die erste iberische Küste, auf die sie stießen, war die Costa Brava. Und dort blieben sie.

Heute ersetzt das Flugzeug den Käfer. Und der Flieger bringt die Urlaub Suchenden gleich an die wärmsten Gestade Spaniens, vor allem an die Costa del Sol. Was zwischen der Heimat und der heißen Sonnenküste liegt, überspringen die Reisenden dabei, ohne es je gesehen zu haben. Auch Käufer von Ferienimmobilien kleben oft allzu sehr an den bekannten Namen. Dabei finden sie die schönsten Schnäppchen gerade dort, wo nicht alle hinfahren.

Zum Beispiel an der Costa Dorada, der "goldenenen Küste". Ihre feinen Sandstrände gaben der Landschaft ihren Namen. Hinter den Stränden liegt eine alte Kulturlandschaft mit zahlreichen Schlössern, mit Burgen und alten Bauernhäusern. Wer sich Zeit für die Suche nimmt, kann ein solches Haus für weniger als 100 000 Mark ergattern. Der Erwerber muss sich bei diesen Preisen aber auf Renovierungsarbeiten einstellen. Frei stehende Neubauten handeln die Makler an der Dorada ab 190 000 Mark.

Südlich der Costa Dorada schließt sich die Costa del Azahar an. Berühmt ist sie für ihre Orangenplantagen. Zumindest im Hinterland sind die Einheimischen weitgehend unter sich geblieben. Ausländer, die ein Haus für ihren Urlaub oder Lebensabend erwerben wollen, entdecken die Landschaft erst allmählich. Entsprechend günstig sind die Preise. Ferienwohnungen werden ab 60 000 Mark angeboten, Landhäuser ab 200 000 Mark. Den Blick auf das Mittelmehr verkaufen die Spanier hier wie überall teurer als ein Haus im Inland. Der Aufschlag fällt an der Costa del Azahar allerdings vergleichsweise mäßig aus. 300 000 Mark muss der Erwerber aber mindestens einplanen.

Eine deutsche Kolonie gibt es nur in der alten Hafenstadt Peniscola. Feriensiedlungen an der Küste sind die Ausnahme. Wer hier dauerhaft leben möchte, sollte also Spanisch lernen. Ohne Kenntnis der Landesprache kommen Deutsche besser an der Costa Blanca zurecht. Zehn Sonnenmonate pro Jahr sind die Regel, und das hat der "weißen Küste" unter Touristen aus ganz Europa große Beliebtheit beschert.

Obwohl der Andrang groß ist, verdarb das die Preise für Häuser und Grundstücke bislang nicht. Für Spanien mögen sie teuer erscheinen, gemessen an hiesigen Verhältnissen sind sie aber nach wie vor günstig. Die Berliner Niederlassung des Ferienhausanbieters Atlas International zum Beispiel offeriert neu gebaute Reihenhäuser südlich von Alicante für rund 160 000 Mark, Grundstück inklusive. In Berlin würden vergleichbare Objekte mindestens das Doppelte kosten. Eigentumswohnungen sind bei Atlas ab 90 000 Mark zu haben. "Diese Preise sollen breite Schichten der Bevölkerung ansprechen", sagt Berlins Atlas-Chefin Jutta Ratzke.

Was ihr und ihren Kollegen offensichtlich auch gelingt. "Die Nachfrage ist riesig", sagt der auf Immobiliengeschäfte in Spanien spezialisierte Rechtsanwalt Carlos Ramallo Pallast. Das habe Auswirkungen auf die Forderungen der Verkäufer. "Die Preise steigen. Das sehe ich täglich an den Kaufverträgen, die ich bearbeite." Die rapide Teuerung treffe alle Standorte Spaniens gleichermaßen. Ramallo Pallast rät deshalb zur Eile: "Käufer aus Deutschland sollten sich noch vor Ostern vor Ort umschauen. Über die Feiertage kommen sehr viele Interessenten und treiben die Preise weiter nach oben."

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar