Zeitung Heute : Goldgräberstimmung am Terminal

Der Münchner Airport hat der Region 100 000 neue Jobs gebracht. Vor allem junge Menschen zieht es in Flughafennähe

Antje-Elisabeth Kröger

Was Berlin jetzt beginnt, hat München schon hinter sich: Den Bau eines neuen Airports. Wie jetzt in Berlin und Brandenburg gab es auch in Bayern vor dem Flughafenbau große Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in der näheren Umgebung, dem Landkreis Freising. Die Erwartungen wurden übertroffen. Die Planer hatten mit einem Passagieraufkommen von 14,2 Millionen Fluggästen im Jahr 2000 gerechnet. Tatsächlich nutzten im Jahr 2000 sogar 23,1 Millionen Menschen den Franz-Josef-Strauß-Flughafen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl bereits bei 28 Millionen Passagieren. Eine Faustformel sagt, dass jede weitere Million Passagiere 1000 zusätzliche Arbeitsplätze schafft.

Die Zahl der Arbeitsplätze am Flughafen München und in seinem Umland hat zwischen 1987 und 2000 um rund 53 Prozent zugenommen. Waren hier Ende der Achtzigerjahre noch 195 000 Personen beschäftigt, sind es heute über 300 000. Davon sind rund 25 000 Beschäftigte direkt vom Flughafen abhängig. Die anderen arbeiten meist für Unternehmen in der Region. „Ende der 60er Jahre war unser Gewerbegebiet noch wie leer gefegt, dann setzte mit dem Flughafenbau eine Goldgräberstimmung ein. Mittlerweile gibt es hier 1350 gemeldete Betriebe“, sagt Klaus Stallmeister, Bürgermeister von Hallbergmoos – eine 9000-Seelen Gemeinde am Münchner Airport.

Die Arbeitslosenquote liegt hier seit Jahren bei unter vier Prozent und damit so niedrig wie sonst nirgends in Deutschland. Auch die demografischen Probleme bleiben aus. Hallbergmoos ist mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren Bayerns jüngste Gemeinde und wächst seit 20 Jahren um etwa 250 Einwohner pro Jahr. Das kann sich die Hauptstadtregion nur wünschen.

„Der Flughafen hat eine herausragende Bedeutung als Beschäftigungsmotor und Auftraggeber für die regionale Wirtschaft“, heißt es beim Bayrischen Wirtschaftsministerium. Und auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht die Entwicklung mehr als positiv. Bis zum Bau des Flughafens habe sich die Region kaum entwickelt. Jetzt sei es der größte Wachstumsraum Bayerns und eine der größten Arbeitsstätten Deutschlands, sagt Robert Obermeyer, Chefvolkswirt bei der IHK.

In der Region ansässige Unternehmen wie SAP, General Electric oder Cisco geben an, dass der Flughafen nicht für ihren Erfolg ausschlaggebend sei. Allerdings sei es „ein positiver Nebeneffekt, dass unsere Mitarbeiter hier sehr mobil sind“, heißt es bei SAP.

Die Anzahl der am Flughafen ansässigen Unternehmen stieg seit 1994 von 319 auf 531. Knapp 700 Millionen Euro wurden im Jahr 2003 an Löhnen und Gehältern ausbezahlt. Ein Großteil dieser Summe kommt als Kaufkraft der unmittelbaren Flughafenregion zugute. Der Außenhandel Bayerns hat sich in diesem Zeitraum – auch durch den stark frequentierten Flughafen – mehr als verdoppelt.

Allerdings müssen die Hallbergmooser auch die Nachteile des Booms in Kauf nehmen, etwa steigende Privatmieten. Bis zu 750 Euro zahlt der Flughafenanrainer mittlerweile für seine Drei-Zimmer-Wohnung. Und die Nachfrage steigt weiter, denn der Flughafen wächst sogar schneller als die Region.

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