Zeitung Heute : Gore: In zehn Jahren nur noch Ökostrom

Friedensnobelpreisträger und Ex-Vizepräsident hält dies in den USA für „erreichbar und bezahlbar“

Harald Schumann

Berlin - Die Stromversorgung in den USA sollte nach den Vorstellungen des früheren Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Al Gore binnen zehn Jahren komplett auf erneuerbare Quellen umgestellt werden. Dieses Ziel sei „erreichbar und bezahlbar“, sagte Gore in einer Rede in Washington am Donnerstagabend (Ortszeit). Er verwies dabei auf die wegen der weltweit steigenden Nachfrage stetig steigenden Kosten für fossile Brennstoffe.

Als zentrales Instrument für die Umsetzung seines Programms forderte er die Einführung einer Steuer auf den Ausstoß von Kohlendioxid. „Wir sollten besteuern, was wir verbrennen, nicht, was wir verdienen“, argumentierte Gore, der im vergangenen Jahr für seine Klimaschutzkampagne mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. Der Umbau der Stromerzeugung werde gleichzeitig dazu beitragen, Amerikas Abhängigkeit von Ölimporten zu mindern, wenn im gleichen Zug die Herstellung von Autos mit elektrischen Antrieben gefördert werde. „Wir leihen uns Geld in China, um damit Öl im Persischen Golf zu kaufen und dieses so zu verbrennen, dass es den Planeten zerstört“, sagte Gore in der Constitution Hall nahe dem Weißen Haus. Das müsse sich vollständig ändern.

Bisher erzeugen die USA lediglich acht Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen, während mehr als 50 Prozent der Versorgung mit Kohlekraftwerken bestritten wird. Über die möglichen Kosten seines Programms machte Gore keine Angaben. Die von ihm gegründete „Allianz für den Klimaschutz“ hatte zuvor die Umbaukosten über einen Zeitraum von 30 Jahren auf umgerechnet zwei Billionen Euro geschätzt.

Als „größtes Hindernis“ für das Vorhaben bezeichnete Gore das „dysfunktionale“ politische System seines Landes, in dem vorrangig „Sonderinteressen“ bedient würden. Amerikas Demokratie sei „sklerotisch“ (verhärtet) geworden zu einer Zeit, „in der diese Krise große Kühnheit“ erfordere. Die nötigen Anstrengungen verglich Gore mit dem Raumfahrtprogramm der 60er Jahre. So wie der damalige Präsident John F. Kennedy alle Mittel mobilisiert habe, um binnen zehn Jahren eine bemannte Mission zum Mond zu schicken, so müsse der künftige Präsident das Energie- und Klimaproblem angehen und weltweit die Führung übernehmen. Deutsche Experten äußerten Zweifel, dass Gores Ziel zu erreichen sei. „Damit hätte man vor 25 Jahren beginnen müssen“, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

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