GOTHIC POPThe Cure : Der Kajal-König

Jörg W er

Für Bands, die lange und erfolgreich im Geschäft sind, kann es zu einem Problem werden, dass sich im Grunde niemand für ihr aktuelles Zeug interessiert. Mal ehrlich, wer will schon neue Stones-Songs hören, wenn er zum gleichen Preis „Sympathy for the Devil“ haben kann? Bislang konnten The Cure dieses Phänomen umgehen. Natürlich müssen auch sie die Erwartungen der Fans respektieren, aber sie bevorzugen dabei ungewohnte Darreichungsformen: etwa indem sie die ollen Kamellen als metallisch aufgemöbelte Neuinterpretationen präsentieren.

Zudem haben sie sich bei ihren jüngeren Produktionen einen Mut zum Restrisiko bewahrt. Daher hatten The Cure in ihrer fast 30-jährigen Karriere auch keine demonstrativen Stilexperimente oder hilflose Trendanbiederungen nötig. Stattdessen basteln sie in aller Ruhe an ihrer eigenen Erfolgsformel, in der rabenschwarze Depri-Dramolette (die „Pornography“-Phase) und federleichte Pop-Ohrwürmer wie „The Caterpillar“ oder „The Love Cats“ gleichermaßen Platz finden. Und nur Robert Smiths sinistres Charisma und lichtscheue Kajal-Sexyness konnten eine refrainfreie Schauerballade wie „Lullaby“ zum Welt-Hit katapultieren. Seit 1992 veröffentlichen The Cure nur noch im Rhythmus der Olympischen Spiele neue Alben, was ihrer Reputation eher gut tut: Die anscheinend – siehe Veranstaltungsort – immer noch große Fangemeinde befindet sich jedesmal im Zustand hysterischer Vorfreude. Und falls die neuen Sachen nicht so zünden wie erhofft, können die Godfathers of Gothic Pop immer noch auf all die Evergreens aus ihrem beeindruckenden Backkatalog zurück greifen. Jörg Wunder

Velodrom, Sa 16.2., 20 Uhr, 34 € + VVK

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben