Zeitung Heute : GPRS: Zum Telefonieren fast zu schade

Kurt Sagatz

Von dem Gedanken, das Handy sei zum Telefonieren da, sollte langsam Abschied genommen werden. Nicht, weil seit Anfang des Monats die Polizei etwas dagegen hat, wenn man sein Mobiltelefon während des Autofahrens benutzt. Sondern vielmehr, weil das Handy zum Telefonieren fast zu schade ist. In zwei Jahren werden über das Gerät mehr Daten verschickt als damit telefoniert wird. Meint zumindest Alexander Samwer, Gründer des mobilen Online-Dienstes Jamba. Jamba selbst kommt dabei eine besondere Rolle zu, denn die derzeit aus 50 Mitarbeitern bestehende Berliner Startup-Firma will allen Unkenrufen über die Technologiewerte zum Trotz nichts weniger werden als das Yahoo des Handys.

Bislang ist Jamba ein Dienst, der vor allem Klingeltöne, Handy-Logos, SMS-Nachrichten und WAP-Informationen bereitstellt. Das allein macht heutzutage sicherlich keinen erfolgreichen Business-Plan aus. Viel wichtiger sind die Partner. Zu ihnen gehören - neben den Gründern - der Mobilfunkprovider Debitel sowie die Handelsketten Media-Saturn und Electronic Partner. Sie sorgen dafür, dass Jamba über die Handy-Anzeigen und -Verträge kräftig beworben wird. Und der Kooperation mit diesen Partnern, die auch finanziell an Jamba beteiligt sind, ist es zu verdanken, dass auf jedem Wap-Handy mit Debitel-Vertrag oder von Media-Saturn der Zugang zum Jamba-Portal vorinstalliert ist. Mehrere Millionen deutsche Handys werden von den Partner jährlich abgesetzt und 400 000 Käufer haben seit der Jamba-Gründung im Herbst 2000 das Angebot angenommen. Das sind immerhin 100 000 Nutzer mehr als zunächst erwartet.

Richtig einfach wird das mobile Internet aber erst dann, wenn zwei Knopfdrücke auf der Handy-Tastatur ausreichen, um die gewünschten Informationen zu erhalten. Und genau dies will Jamba mit der zweiten Phase und einem Relaunch zur Computermesse CeBIT im März erreichen. Die Stichworte hierzu sind: Personalisierung und Lokalisierung. Dank neuer Technik soll der Jamba-Kunde direkt nach dem Einloggen gemäß seines Profils bedient werden. Die persönlichen Nachrichten, das individuelle Horoskop und das Wetter für seine Heimatstadt, so soll der mobile Internet-Nutzer künftig begrüßt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Netzbetreiber die jeweiligen Handy-IDs an Jamba übertragen, um die bisher übliche Einwahl überflüssig zu machen. Den nächsten Schritt stellt die Lokalisierung dar. Wer wissen möchte, welche Kneipe oder welcher Club nach dem Kino angesteuert werden soll, möchte schließlich wissen, wohin er in seiner direkten Umgebung gehen kann. Die Provider arbeiten daran, zusammen mit der Handy-ID auch die Zellen-Information zu übertragen. Nur so ist es möglich, zum entsprechenden Aufenthaltsort die benötigten Zusatzinformationen bereit zu stellen.

Mit derzeit verfügbaren SMS- oder Wap-Technik muss sich der Nutzer jedoch immer noch manuell bei Jamba einwählen. Dies ist zum einen unpraktisch und zum anderen auch nicht gerade billig. Denn bezahlt wird nicht für die Information, sondern für die Verweildauer im Handy-Netz. Doch auch dies soll künftig anders werden. Nicht erst mit der Einführung des UMTS-Standards in ein bis zwei Jahren, sondern bereits in naher Zukunft durch den GPRS-Standard, der von der Telekom und Viag Interkom angeboten wird. Dieser Standard arbeitet nach einem ähnlichen Verfahren wie das Internet. Wurde bislang für jedes Telefonat und für jeden Abruf eine eigene Verbindung aufgebaut, so teilen sich die Nutzer bei GPRS die verfügbaren Kanäle, auf denen die Datenpakete transportiert werden. Der Vorteil besteht darin, dass die Geräte ständig online sind. Bezahlt wird nicht mehr für die Dauer der Verbindung, sondern nach Datenmenge.

Beim Telefonieren spielt dieser technische Unterschied kaum eine Rolle. Dafür bei der Nutzung der verschiedenen neuen Datendienste. Zum Beispiel, wenn man sich für den Verlauf eines Börsenkurses interessiert. Mit SMS konnte nur über signifikante Kursänderungen nach vorher definiertem Muster zum Beispiel zu bestimmten Zeiten informiert werden. Bei GPRS hingegen wird jeweils nur die letzte Änderung an den Jamba-Nutzer geschickt, damit auf dem Display der gesamte Kursverlauf als Chart dargestellt werden kann, freut sich Alexander Samwer. Oder bei einem Fußballspiel. War es mit SMS und Wap nur sinnvoll, bei jedem Tor der National-Elf eine Message abzusetzen, so kann mit GPRS nahezu der gesamte Spielverlauf über das Handy mitverfolgt werden. Dank dieser Möglichkeiten, so ist sich Samwer sicher, wird der Durchbruch des mobilen Internets in zwei Jahren erfolgen. Und nicht nur des mobilen Datennetzes. Spätestens in drei Jahren, so Samwer, werden mobile Endgeräte den Hauptzugang zum Internet überhaupt darstellen.

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