Zeitung Heute : Graduiertenschule „Nordamerika-Studien“

Ulla Haselstein

Ernst Fraenkel und John F. Kennedy – zwei großen Namen, die das Amerika-Institut der Freien Universität Berlin geprägt haben. Der jüdisch-deutsche Rechtsanwalt und spätere Politologe Ernst Fraenkel hat mit seinem Konzept einer „integrierten Politikwissenschaft“ dem Institut seine inhaltliche Ausrichtung verliehen. Man müsse, meinte er, auch die Geschichte, Kultur, Wirtschaft und die gesellschaftlichen Strukturen eines Landes kennen, um sein politisches System zu verstehen. Diesen Ansatz verfolgt das Institut seit seiner Gründung im Jahre 1963. Damals hieß es Amerika-Institut, wurde aber noch im selben Jahr in „John-F.-Kennedy-Institut“ umbenannt – in posthumer Anerkennung der besonderen Verdienste Kennedys um die Stadt Berlin.

Mit anfangs sechs, später acht sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern – Linguistik, Literaturwissenschaft, Kultur- und Medienwissenschaft, Ideen- und Sozialgeschichte, Soziologie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft – gibt es nirgendwo sonst in Deutschland eine derartige Ausrichtung verschiedener Disziplinen auf einen gemeinsamen Amerika-Schwerpunkt. Und nirgendwo sonst hat die internationale Einbindung und Ausstrahlung der deutschen Amerikaforschung eine derart langjährige Tradition.

Das Projekt zur Einrichtung einer Graduiertenschule im Rahmen der Exzellenzinitiative will an diese Traditionen anknüpfen. Dass die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses am John-F.Kennedy-Institut groß geschrieben wird, zeigte bereits das interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Probleme der Demokratie“, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von 1991 bis 2001 gefördert hat. Etwa 40 entstandene Promotionen und Habilitationen belegen den herausragenden Erfolg dieses Stipendienprogramms.

Die Absolventen des Instituts arbeiten heute als Journalisten, Publizisten und Schriftsteller; sie kuratieren Ausstellungen in Museen oder fördern in Stiftungen den wissenschaftlichen und politischen Austausch mit Amerika; sie nehmen verantwortliche Positionen in der Öffentlichkeitsarbeit oder im Management international tätiger Firmen ein.

Für die ausgezeichneten Leistungen des John-F.-Kennedy-Instituts in der Nachwuchsförderung soll mit der Graduiertenschule, die im Rahmen der Exzellenzinitiative mit einer Millionen Euro im Jahr gefördert werden könnte, eine feste institutionelle Grundlage geschaffen werden. Die vielfältigen Forschungsaktivitäten des Instituts – so etwa Projekte zur zeitgenössischen Medienlandschaft und zur Kulturgeschichte der USA, zur urbanen Kultur amerikanischer Metropolen, zur Literatur der Avantgarde, zur neoliberalen Wirtschaftspolitik oder zur Kolonialgeschichte der USA und Kanadas – sollen gebündelt und mit einem strukturierten Promotionsstudiengang verbunden werden.

Die bewährte interdisziplinäre Zusammenarbeit am Institut, die Mitarbeit namhafter Fachwissenschaftler der Freien Universität Berlin am Lehrprogramm der Graduiertenschule und die Einladung internationaler Gastwissenschaftler werden für eine Qualität der Ausbildung bürgen, die international konkurrenzfähig ist und den Vergleich mit der Spitzenforschung an amerikanischen Universitäten nicht zu scheuen braucht.

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