Zeitung Heute : Grass, Graak, Scheer, Uexküll und Henkel

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Günter Grass

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Am liebsten sehe ich interessante Dokumentationen zum Zeitgeschehen, Tagesschau-Themen. Dann sehe ich gerne zur Entspannung ein Fußball-Spiel. Ich bin ein Fan vom Freiburger SC. Und da wir auf dem Land leben, meine Frau und ich, und wir zu einem guten Kino einen langen Weg haben, sehen wir uns im Fernsehen auch gerne Filme an, die man immer schon mal wieder sehen wollte. Französische Filme aus den 30er Jahren beispielweise, wie sie manchmal in den dritten Programmen laufen.

Welche Entwicklung im deutschen Fernsehen erfüllt Sie mit Sorge?

Wir haben mehrere Sorten von neuem Aberglauben. Der Aberglaube des Neo-Liberalismus ist: Der Markt wird es richten. In den Fernsehanstalten ist der Aberglaube: Die Quote wird es richten. Und diese Quotengläubigkeit nivelliert das Niveau der Sendungen.

Gäbe es einen Nobelpreis für Fernseh-Unterhaltung: Wer sollte ihn bekommen?

Über einen Nobelpreis für Fernsehunterhaltung kann ich nicht urteilen. Ich sehe in erster Linie deutsche Programme - der Nobelpreis legt einen internationalen Maßstab an. Sprächen wir jedoch über irgendeinen Preis: Ich habe in letzter Zeit ein paar sehr gute Dokumentationen darüber gesehen, was in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts das deutsche Unglück ausgemacht hat. Die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Folgen, an denen auch die nachgeborenen Generationen bis hin zu meinen Enkelkindern zu tragen haben. Solche klar informierenden Sendungen, die halte ich für preiswürdig.

In welcher Sendung haben Sie zuletzt etwas erfahren, das Sie vorher nicht wussten?

Auf Arte habe ich kürzlich eine ausgezeichnete Dokumentation über Taiwan, über die komplizierte und wechselvolle Geschichte dieses Landes gesehen. Da habe ich viel gelernt.

Wer hat bei Ihnen zuhause die Fernbedienung?

Meine Frau und ich, immer abwechselnd.



Gundula Graak

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Ich bin ein richtiger Feierabend-Zuschauer. Ich mache einfach die Glotze an, lege die Füße hoch und lasse mich berieseln. Am liebsten sehe ich irgendwelche schwachsinnigen Krimis. Und hinterher ärgere ich mich jedesmal.

Welche Entwicklung im deutschen Fernsehen erfüllt Sie mit Sorge?

Dass immer mehr Gewalt im Fernsehen zu sehen ist. Und vor allen Dingen, dass es immer niveauloser wird. Selbst in den renommierten Sendern, ARD, ZDF und den dritten Programmen, werden die Sendungen immer flacher. Es bringt keinen Spaß mehr, fernzusehen.

Gäbe es einen Nobelpreis für Fernseh-Unterhaltung: Wer sollte ihn bekommen?

Auf gar keinen Fall eine Talkshow. Die sind immer nur auf schnelle Lacher aus. Jedesmal das gleiche: Immer ist ein Paradiesvogel in der Runde dabei, man kennt es. Naja.

In welcher Sendung haben Sie zuletzt etwas erfahren, das Sie vorher nicht wussten?

Wahrscheinlich in den Nachrichten, aber ich weiß es gar nicht. Ich zappe eigentlich einfach immer so durch.

Wer hat bei Ihnen zuhause die Fernbedienung?

Ach, die liegt bei uns einfach so rum.



Hermann Scheer

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Nachrichten. Die "Tagesthemen" und n-tv.

Welche Entwicklung im deutschen Fernsehen erfüllt Sie mit Sorge?

Ich finde, es gibt zu viele Kanäle. Interessanterweise wird dadurch das Gesamtangebot aber nicht vielfältiger: Es verflacht. Ganz besonders samstagabend ist es schrecklich!

Gäbe es einen Nobelpreis für Fernseh-Unterhaltung: Wer sollte ihn bekommen?

Dario Fo. Es ist unglaublich unterhaltsam, was er macht - gleichzeitig aber ist es immer auch auf wichtige Punkte bezogen. Es ist eben nicht nur Unterhaltung!

In welcher Sendung haben Sie zuletzt etwas erfahren, das Sie vorher nicht wussten?

In keiner!

Wer hat bei Ihnen zuhause die Fernbedienung?

Wer sie zufällig als erster in der Hand hat.



Jakob von Uexküll

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Da ich viel reise, komme ich kaum noch zum Fernsehen. Eigentlich sehe ich nur Nachrichten. Es gibt so viele gute Bücher, die ich noch nicht gelesen habe - das hat erste Priorität.

Welche Entwicklung im deutschen Fernsehen erfüllt Sie mit Sorge?

Mit Sorge betrachte ich die zunehmende Amerikanisierung. Ich lebe in England, da ist es sogar noch schlimmer. Aber auch im deutschen Fernsehen wird nicht mehr fundiert diskutiert, sondern nur noch kurz geredet. Sich zu vier wichtigen Themen in dreißig Sekunden äußern zu müssen, das halte ich für ein Unding.

Gäbe es einen Nobelpreis für Fernseh-Unterhaltung: Wer sollte ihn bekommen?

Da bin ich überfragt. Im alternativen Nobelpreis haben wir dafür leider keine Kategorie.

In welcher Sendung haben Sie zuletzt etwas erfahren, das Sie vorher nicht wussten?

Auch hier muss ich passen. Meine Hauptinformationsquellen sind doch eher Bücher und Zeitschriften.

Wer hat bei Ihnen zuhause die Fernbedienung?

Die Kinder.



Hans-Olaf Henkel

Was sehen Sie im Fernsehen am liebsten?

Nachrichten, am liebsten auf n-tv.

Welche Entwicklung im deutschen Fernsehen erfüllt Sie mit Sorge?

Dass im Fernsehen zu viele Populisten, zu viele Ideologen und zu viele Klamauk-Leute zu Wort kommen. Und zu wenige von den Leuten, die sich ernsthaft über die Zukunft unserer Gesellschaft Gedanken machen.

Gäbe es einen Nobelpreis für Fernseh-Unterhaltung: Wer sollte ihn bekommen?

Gerhard Schröder.

In welcher Sendung haben Sie zuletzt etwas erfahren, das Sie vorher nicht wussten?

Beim Wetterbericht.

Wer hat bei Ihnen zuhause die Fernbedienung?

Mein Sohn.Grass & Co. waren am Sonntag abend zu Gast bei "Sabine Christiansen" und diskutierten das Thema "Nobelpreisträger und ihre Visionen". Über das Fernsehen sprachen sie nicht. In der Fragerunde mit Johanna Adorjan haben sie es nachgeholt.

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