Zeitung Heute : Gratis studieren: Die Sieger stehen fest

Zwei junge Berliner haben den Bachelor-Wettbewerb von Pixelapostel und Tagesspiegel gewonnen

Cay Dobberke

Niko Böker bleibt bescheiden: „Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass ich mich von den anderen Bewerbern abhebe“, sagt der 21-Jährige über seine Teilnahme am Wettbewerb „Zwei Tickets zur Karriere“. Das aber sah die Jury der privaten Kommunikations-Akademie Pixelapostel anders. Sie ließ sich von den Leistungen Bökers überzeugen – und so gewann der junge Berliner einen der beiden Gratis-Studienplätze für den neuen „Bachelor of Arts“ im Wert von 21 240 Euro. „Eher reizvoll als schwierig“ fand Joanna Dabrowski (22) das Auswahlverfahren. Auch sie wurde Siegerin unter den 20 Bewerbern. Die private Akademie Pixelapostel hatte den Wettbewerb zusammen mit dem Tagesspiegel und Radio 1 gestartet.

Gleich zu Beginn der Prüfungen war Joanna Dabrowski durch ihre Kreativität aufgefallen. Es ging darum, eine Meldung über den Verkauf von Lagerfeld-Designermode bei der Ladenkette H & M zu einer Werbe-Einladung umzuformulieren. Doch die in Polen aufgewachsene Berlinerin beließ es nicht beim Optimieren der Sprache, sondern gestaltete das Blatt Papier durch Falten und Reißen zu einer Einladungskarte in Form eines Jackets um. „Eine tolle Idee unter diesem Stress“, findet Carsten Henning-Ruminski, der Leiter des Hochschulbereichs „Pixelcampus“ in der Akademie.

Im Laufe des mehrstündigen Auswahlverfahrens zeigten sich für ihn bei der 22-Jährigen später auch „klare Potenziale zur Führungskraft“. So war sie in den Streitgesprächen zu ausgelosten Themen in die Rolle einer durchsetzungsstarken Hotelchefin geschlüpft – und lehnte es gegenüber einer fiktiven Gewerkschafterin aus verschiedenen, nachvollziehbar benannten Gründen strikt ab, im eigenen Hotel Lehrlinge auszubilden.

Im wahren Leben ist Joanna Dabrowski dagegen selbst Azubi: Sie absolviert derzeit eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Darauf nimmt Pixelapostel zu ihrer Freude Rücksicht: „Ich darf die Ausbildung aus Kulanz zu Ende machen und fange erst nächstes Jahr mit dem Studium an.“ Anschließend werde sie möglicherweise wieder in die Hotelbranche gehen, dies stehe aber noch nicht fest. „Sie wussten wahrscheinlich vor fünf Jahren auch noch nicht genau, was Sie heute machen“, hielt sie Carsten Henning-Ruminski vor – und dieser gab ihr Recht.

Für Niko Böker ist der Studienplatz-Gewinn ein großer Erfolg nach einer Enttäuschung: Die Universität der Künste (UdK) hatte seine Bewerbung um eine Ausbildung zum Produktdesigner abgelehnt, obwohl er bereits ein Praktikum in diesem Bereich vorweisen konnte. Im Rahmen eines zehnmonatigen Au-Pair-Aufenthalts und Praktikums in Hongkong hat der 21-Jährige auch schon Erfahrungen in einer dortigen Werbeagentur gesammelt. Er will später „bei einer großen, internationalen Firma Poduktdesign machen und möglichst viel in der Welt herumkommen“.

Die Jury aus Pixelapostel-Dozenten und Studienleitern bescheinigte ihm ein „sympathisches, natürliches Auftreten“, zugleich aber auch das nötige Durchsetzungsvermögen. Der Kandidat glänzte besonders bei der ersten schriftlichen Aufgabe: Er musste einen Brief der Nationalgalerie ans Museum of Modern Art in New York verfassen, in dem sich das hiesige Museum für die gute Zusammenarbeit bei der großen MoMA-Schau in Berlin bedankt. „Inhalt und Ausdruck waren überzeugend, Platz 1 bei dieser Übung“, lautete das einhellige Fazit der Jury.

Auch in einer späteren Gruppendiskussion „hat er die Runde geführt“, sagt Carsten Henning-Ruminski. In einem Streitgespräch war Niko Böker die Rolle zugefallen, den wirtschaftlichen Sinn von legalen Musik-Bezahldiensten im Internet zu verteidigen. Dies gelang, zumal es „meiner Meinung entsprach“ und sich durch Tatsachen untermauern ließ (vor allem der Musikdienst des amerikanischen Apple–Konzerns widerlegt inzwischen alle Skeptiker). „Das ist eine langlebige Sache“, urteilte der junge Kreuzberger.

Ohne den Gewinn des Gratis-Studienplatzes wäre den beiden Siegern des Wettbewerbs das Pixelapostel-Studium unmöglich gewesen: „Das Geld hätten wir beim besten Willen nicht aufbringen können“, erklären beide glücklichen Gewinner.

Grundsätzlich lässt das Institut allerdings über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten mit sich reden.

Die unterlegenen Finalisten sind übrigens „lucky looser“: Ihnen offeriert Pixelapostel jetzt einen zweitägigen Workshop „Wie entsteht ein Logo“.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar