Zeitung Heute : Graumann: Wir Juden lassen uns nicht einschüchtern

Berlin - Nach dem Angriff auf einen Rabbiner in Berlin hat sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, dagegen ausgesprochen, nun bestimmte Stadtviertel zu meiden oder Glaubenssymbole nicht öffentlich tragen. „Ich selbst werde diesen Rat bestimmt nie befolgen! Ich lasse nicht zu, dass mir No-go-Areas auferlegt werden. Ich lasse nicht zu, dass wir unser Judentum nur im Hinterzimmer ausleben dürfen – ganz im Gegenteil sogar: Wir werden unsere neue, positive jüdische Zukunft in diesem Land weiter voller Leidenschaft aufbauen“, schreibt Graumann in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. „Wir Juden in Deutschland werden uns jedenfalls ganz sicher nicht einschüchtern lassen.“

Angriffe gegen jüdisches Leben hätten sich vermehrt, schreibt Graumann. „Die Grenze des Erträglichen ist für mich selbst auch allmählich erreicht – und zwar nicht, weil die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft etwa tatsächlich zu bezweifeln wäre, sondern weil ich nun gerade jetzt erst recht auf eine positive, blühende jüdische Zukunft in Deutschland setze“, sagt der Zentralratspräsident, der zudem „gerade in der aktuellen Beschneidungsdebatte“ auf der Seite der Beschneidungsgegner „zu oft einen unsensiblen und schlichtweg verantwortungslosen Ton“ erkennt. Wenn Juden und Muslimen vorgeworfen werde, sie würden ihren Söhnen sexuelle Gewalt antun, „so wird hier ein Klima von Intoleranz und Ausgrenzung erzeugt“.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief zur Teilnahme an der „Langen Nacht der Religionen“ an diesem Samstag auf. „Gerade in dieser Woche hat sich die Wichtigkeit der religiösen Toleranz in einer Metropole wie Berlin gezeigt“, erklärte er am Freitag. Am Sonntag soll es um 12 Uhr in Berlin-Friedenau, dem Ort des Übergriffs, eine Solidaritätsaktion geben. Tsp

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