Zeitung Heute : Griechisch lernen mit Comics

Freie Universität vergibt Preise für beste E-Learning-Projekte

Sabrina Wendling

Hellas, Kalimera, Ouzo – so weit reichen die Griechisch-Kenntnisse des Durchschnittsdeutschen, wenn er nur oft genug ein griechisches Restaurant besucht und das Vokabular auf der Rückseite seiner Serviette studiert. Wer ernsthaft Griechisch lernen will, muss sich mit einem Koloss von Wörterbuch anfreunden, griechische Schriftzeichen lernen und Grammatik pauken. Weil der Unterhaltungswert der Vokabel- und Nachschlagewerke ausbaufähig ist, wurde am Institut für Griechische und Lateinische Philologie unter der Leitung von Professor Miltos Pechlivanos eine Online-Lernplattform für Studierende des Neugriechischen geschaffen: Als Lernmaterialien werden hier Comics, Musikvideos und Zeitungsartikel eingesetzt.

Die Neugriechisch-Lernplattform ist eines von vier E-Learning-Projekten an der Freien Universität, das nun mit einem Preisgeld von 3000 Euro ausgezeichnet wurde. Es ist Sieger in der Kategorie „Multimediale Lernmaterialien und Lernumgebungen“. Die Preise hat das sogenannte „Lenkungsgremium E-Learning“ zum fünften Mal vergeben. In dem Gremium vertreten sind der Kanzler, zwei Vizepräsidenten und der Leiter des Center für Digitale Systeme (CeDiS). „Die Freie Universität ist beim E-Learning schon lange erfolgreich“, sagt Kanzler Peter Lange, „weit über 200 Projekte wurden von Lehrenden an allen Fachbereichen seit 2003 umgesetzt.“ Auf die Lernplattform haben alle Studierenden der Neogräzistik Zugriff: Ihnen stehen dort 1800 Übungen zur Verfügung, unter anderem zu Vokabeln, Wortschatz, Text- und Hörverständnis. Den Studierenden sitzt etwa eine griechische Sängerin am Bildschirm gegenüber, die ein melancholisches Volkslied vorträgt und auf dem Klavier dazu spielt. Unter dem Musikvideo befindet sich der unvollständige Liedtext, der mit den richtigen Vokabeln ergänzt werden muss. Auf der Internetseite werden Studierende aller Semester fündig, da die Übungen nach Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet sind.

Beliebt sind auch Comics: Es unterhalten sich etwa zwei Vögel – Vater und Sohn – über Familienähnlichkeit. Die Lücken in dem unterhaltsamen Dialog ergänzen die Studierenden mit den entsprechenden Wörtern. Auch Texte, Nachrichtensendungen und Reportagen werden auf der Lernplattform zur Verfügung gestellt. Meist sind es Themen von griechisch-deutschem Interesse, das Institut für Neogräzistik nutzt hierbei Reportagen des Auslandssenders der ARD, der Deutschen Welle.

Eineinhalb Jahre lang haben Mitarbeiter des Instituts für Neogräzistik an der Seite gearbeitet. Die Inhalte werden in Rücksprache mit den Studierenden ständig aktualisiert. Viele empfinden es als besonderen Vorzug der Lernplattform, dass ihnen dort nicht „Hallo, ich bin…, wie heißt du?“–Dialoge aus dem Lehrbuch präsentiert werden, sondern sie Neugriechisch so kennenlernen wie es im Land gesprochen wird. Sabrina Wendling

Weiteres im Internet:

www.e-learning.fu-berlin.de

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