• Grimme Online Award: "Online-Journalismus muss tiefer gehen" - Juror Markus Deggerich von Spiegel Online im Interview

Zeitung Heute : Grimme Online Award: "Online-Journalismus muss tiefer gehen" - Juror Markus Deggerich von Spiegel Online im Interview

Internetangebote von TV-Sendungen werden oft als "

Internetangebote von TV-Sendungen werden oft als "Abfallprodukt im Netz" bezeichnet. Sind die ausgezeichneten Seiten tatsächlich mehr als die freundliche Übernahme der Programminhalte im Netz?

Es ist noch nicht viel mehr. Dieser Preis war noch nicht überfällig, und der Jury ist die Prämierung sehr schwer gefallen. Wir haben im Laufe der Diskussion festgestellt, dass wir den Anspruch runterschrauben müssen. Es gab außerdem das Problem, dass der Preis nicht differenziert ist, das heißt, dass wir nicht Gold, Silber und Bronze vergeben konnten. Man hätte dann zum Beispiel zweimal Silber und einmal Bronze vergeben können, um zu zeigen, dass wir nicht wirklich zufrieden waren, mit dem, was wir auszeichnen. Wenn man es als Zehnkampf betrachtet, dann haben wir viele Seiten gesehen, die in vier Disziplinen gut sind, aber die restlichen sechs vernachlässigen. Böse gesagt, hat man den Einäugigen unter den Blinden ausgezeichnet.

Welche Disziplinen gab es denn? Nach welchen Kriterien wurden die Seiten beurteilt?

Die Internetangebote sollten auf keinen Fall bloß der Drachen an der langen Leine der Fernsehsendungen sein, also die Abbildung des bereits Vorhandenen im Internet. Es muss schon ein dem Medium gemäßes Eigenleben im Netz stattfinden. Wichtig waren uns hierbei vor allem Interaktivität und Content, der über die Sendung hinausgeht, sowie die Nutzung der technischen Möglichkeiten.

Der Grimme Online Award TV-Journalismus wurde mangels Angebote nicht vergeben. Was hätten Sie hier erwartet?

TV-Journalismus im Netz findet definitiv nicht statt. Wir hätten in dieser Sparte TV-Kritik im Netz erwartet. Und zwar sollte hierbei nicht bloß die geschriebene TV-Kritik im Netz stehen, sondern es sollten mit Links sowie Audio- und Video-Files Schwächen oder Stärken einer Sendung aufgezeigt werden. Man könnte dadurch Vergleiche ziehen und sie auch anschaulich machen. Ein solches Angebot gibt es überhaupt nicht.

Wie sieht der Online-Journalismus der Zukunft aus?

Online-Journalismus muss sich bei allen anderen Darstellungsformen des klassischen Journalismus frech bedienen und sich jeweils das Beste herauspicken. Er kann die Authentizität des O-Tons, die Macht des bewegten Bildes und die Schönheit eines feinen Textes nutzen. Online-Journalismus kann interaktiv sein. Außerdem gibt es keine Platz-Probleme. Aber momentan bleibt er noch zu sehr an der Oberfläche und an seinem Mutter-Medium hängen; Online-Journalismus konzentriert sich noch nicht auf seine eigenen Stärken. Er muss in Zukunft viel mehr in die Tiefe gehen.

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