Zeitung Heute : Größe ist kein Gütesiegel

Milliardenschwere Aktienfonds liefern sich einen Wettbewerb um Anlegergeld und Performance – deutsche Fondsmanager können häufig nicht mithalten

Veronika Csizi

Der Frust scheint groß zu sein: 3,8 Milliarden Euro haben Anleger von Januar bis September dieses Jahres aus deutschen Aktienfonds abgezogen. Getroffen hat es vor allem die Großen der Branche. Das wundert nicht: Denn nicht wenige der Milliardenfonds und Publikumslieblinge haben viel Geld in den Sand gesetzt.

Zum Beispiel der Ari-Deka. Wer vor fünf Jahren in das Aushängeschild der Sparkassentochter Deka investiert hat, ist heute um fast ein Drittel ärmer. Die Drei-Jahres-Bilanz sieht mit minus 25,7 Prozent nur geringfügig besser aus. Zwar sind die Börsen zwischen 2000 und März 2003 kräftig eingebrochen, der Ari-Deka aber hat nicht nur die Wertentwicklung des Vergleichsindex MSCI Europe unterboten, er lag in den letzten Jahren auch durchweg unter den durchschnittlichen Renditen der Konkurrenz.

Nackte Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die besten Europafonds, ermittelt von der Rating-Agentur Morningstar, schafften  es deutlich ins Plus. So legten der Europa Aktienfonds Ulm und der Fidelity European Growth in den vergangenen fünf Jahren beide knapp 50 Prozent zu und führen damit die Ranking-Liste an. Doch obwohl die Anleger im laufenden Jahr mehr als 600 Millionen Euro aus dem Ari-Deka abgezogen haben, verwaltete er Ende September noch Kundengelder von  4,48 Milliarden Euro – und ist damit der zweitgrößte Aktienfonds Deutschlands.

Auch die Nummer fünf der heimischen  Schwergewichte, der DWS Investa aus dem Deutsche-Bank-Konzern, hat die Investoren zuletzt herb enttäuscht. Fondsmanager Henning Gebhardt setzte Ende vergangenen Jahres auf zyklische Werte, gewichtete aber die Versorger im Dax – in diesem Jahr  mit die stärksten Aktien – unter. Eine Fehlentscheidung, die sich mit einer Performance von minus 2,2 Prozent binnen Jahresfrist rächte. Der Dax schaffte im gleichen Zeitraum immerhin mehr als neun Prozent. Unter 111 Deutschland-Fonds steht der Investa damit aktuell an siebtletzter Stelle.

Wer sich anstelle des Investa den Deutschland-Champion, den FPM Funds Stockpicker Germany, ins Depot gelegt hätte, säße jetzt auf einem Jahresgewinn von fast 24 Prozent. Auch der britische Baring German Growth übertrumpfte die Spezialisten vom Heimatmarkt mit mehr als neun Prozent Zuwachs erheblich. 

Vor allem im Bereich Europa sieht die deutsche Fondsbranche nicht gut aus. Von 194 beobachteten Investmentpapieren, so Fondsanalyst Michael Sandlers von der Vermögensverwaltung Feri Trust, hätten 35 die Bestnote A erhalten, darunter aber nur vier deutsche Produkte, etwa der DIT Vermögensbildung Europa oder der MEAG Euro-Invest. Sandlers: „Der Dominanz der Briten und Amerikaner – zum Beispiel Gartmore, Fidelity oder Threadneedle – hat die deutsche Fondsbranche hier wenig entgegenzusetzen.“

Anders sieht es bei weltweit anlegenden Aktienfonds aus. Unter den 33 Fonds mit Feri-A-Rating sind 13 deutsche, darunter auch Deutschlands Fonds-Tanker, der DWS Vermögensbildung I. Insgesamt 6,6 Milliarden Euro hat Fondsmanager Klaus Kaldemorgen inzwischen unter seinen Fittichen, allein in diesem Jahr schaufelten die Anleger 371 Millionen hinzu. Zu Recht? Zwischen November 1998 und  Februar 2000 vermehrte Kaldemorgen  Einlagen um 160 Prozent und hängte die Konkurrenz damit um Längen ab.

Aktuell ist der DWS Vermögensbildung I von den Spitzenplätzen verschwunden. Auf fünf Jahre gerechnet liegt Kaldemorgen knapp zwei Prozent im Minus, im Drei-Jahres-Vergleich sogar knapp zehn Prozent. Damit hat er zwar – Hauptziel aller Fondsmanager – seinen Vergleichindex, den MSCI World, geschlagen. Deutlicher allerdings gelang dies seinem Kollegen Graham Clapp, der den 15 Milliarden Euro schweren Tanker Templeton Growth steuert. Das Rezept des Briten: Er ist ständig auf der Suche nach unterbewerteten Unternehmen und Firmen mit überdurchschnittlichen Wachstumschancen. Vor allem wegen eines stärker substanzorientierten Kaufverhaltens, ein Vorteil in Zeiten von Stagnation oder gar Abschwung,  hat der Templeton Growth im kurz- und mittelfristigen Bereich den Vermögensbildung I durchweg übertroffen.  Auf Zehn-Jahres-Sicht hingegen kommt kein globaler Aktienfonds annähernd an Kaldemorgens 233 Prozent heran. 

Fazit für den Anleger: Wer in ausländische Aktienfonds und kleinere deutsche Produkte investiert, fährt bisweilen besser als mit manchem deutschen Dickschiff. Analyst Sandlers aber beruhigt: „Man muss nicht in jeder Phase ganz vorne liegen, um ein guter Fonds zu sein.“ Ein Blick auf die jüngsten Verkaufsrenner  zeigt indes, dass die Deutschen das Risiko immer stärker scheuen. Während sie aus Aktienfonds Geld abzogen, pumpten sie alleine in diesem Jahr schon mehr als neun Milliarden Euro in Rentenfonds.

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