Zeitung Heute : Größer, bunter, besser

Die Eventbranche wächst stetig – kreative Quereinsteiger sollten vor allem Praxiserfahrung sammeln

Silke Zorn

Unternehmen lassen sich heutzutage einiges einfallen, um ihre Kunden zu beeindrucken und ihre Produkte werbewirksam in Szene zu setzen. Größer, bunter, besser als bei der Konkurrenz soll es bitteschön sein. Und auch um die eigenen Mitarbeiter bemüht man sich mit spektakulären Events, sollen sich doch Teamgeist und Kreativität möglichst frei entfalten können. Da werden die hellsten Köpfe schon mal zum River-Rafting geschickt oder mit einem Helikopterflug für ihren Einsatz belohnt. Ausgefallene Veranstaltungsideen ausbrüten und umsetzen – das ist der Job des Eventmanagers. Stressresistente Quereinsteiger haben in der Branche durchaus Chancen. Neben der richtigen Weiterbildung zählt aber vor allem Praxiserfahrung.

„Ich rate jedem, sich zuallererst mit einigen Eventagenturen in Verbindung zu setzen“, sagt Uta Goretzky vom Unternehmerverband Forum Marketing-Eventagenturen (FME). Agenturen könnten Tipps geben, mit welchen Bildungsanbietern sie gute Erfahrungen gemacht hätten und welche Qualifikationen überhaupt gefragt seien. „Noch wichtiger als erster Schritt in die Branche ist ein Praktikum – meist sechs Monate bis zu einem Jahr lang“, meint die Expertin. „Auf jeden Fall sollte man Praxiserfahrung sammeln, bevor man sich für eine bestimmte Weiterbildung entscheidet.“

Praktika werden allerdings häufig gar nicht oder nur minimal vergütet. Auf mehrere Monate Durststrecke sollte man sich also einstellen, wenn man neu im Eventgeschäft ist. Doch immerhin besteht die Chance, dass man sich bewährt und am Ende des Praktikums vielleicht sogar einen Trainee-Vertrag in der Tasche hat.

Wer sich im Anschluss an ein Praktikum auf die Suche nach einer Weiterbildung machen will, findet in Berlin zahlreiche Bildungsträger mit einem großen Kursangebot. Berufsbegleitend kann man zum Beispiel an der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie (VWA) eine Weiterbildung starten. Sie bietet ein berufsbegleitendes Studium zum Eventmanagement-Ökonom in drei Semestern an, das auch ohne Hochschulabschluss absolviert werden kann. An der Erstellung des Lehrplans waren unter anderem die Event-Experten des FME beteiligt. Zu den Studieninhalten gehören die praktische Planung und Umsetzung großer Firmenevents, aber auch Vertragsrecht, Kostenkalkulation und der Umgang mit moderner Veranstaltungstechnik.

Auch das IST-Studieninstitut für Kommunikation, das auf einen rund zehnjährigen Erfahrungsschatz zurückblicken kann, bietet Workshops sowie Aus- und Weiterbildungen im Eventmanagement an. Hier setzt man vor allem auf das so genannte „Blended Learning“ – Fernunterricht in Form von Lernheften kombiniert mit Präsenzseminaren. Es gibt Basis- und Aufbaukurse, und auch einen Fachwirt für die Messe-, Tagungs- und Kongresswirtschaft bietet das Institut gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) an. Hinzu kommen Spezialkurse, zum Beispiel Eventmanagement für Hörfunk und Fernsehen und politisches Eventmanagement.

Zahlreiche Veranstalter haben auch Kurse mit dem Schwerpunkt Messe- und Kongressorganisation im Programm. Neben dem IST-Studieninstitut bietet zum Beispiel das bbw Bildungswerk der Wirtschaft eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Fachwirt für die Messe-, Tagungs- und Kongresswirtschaft mit IHK-Abschluss an. Der Lehrgang dauert ein Jahr und findet am Wochenende statt.

Bevor man sich für einen Event-Beruf entscheidet, sollte man allerdings gut überlegen, ob man das nötige Rüstzeug mitbringt. „Eventmanager müssen Allround-Talente sein“, meint Kerstin Guth von First Class Events, einer der führenden Marketing-Eventagenturen der Hauptstadt. „Jeder Tag stellt einen vor neue Herausforderungen.“ Routine kommt also kaum auf, immer wieder muss man sich in neue Projekte hineindenken, auf neue Kunden einstellen.

Letzterer steht für Kerstin Guth mit seinen Wünschen und Bedürfnissen immer an erster Stelle. „Wer in die Branche einsteigen will, muss den Dienstleistungsgedanken absolut verinnerlicht haben.“ Der Kunde ist König, muss von A bis Z betreut werden. Doch auch Belastbarkeit und Flexibilität sind wichtig. „Bei der Durchführung einer Veranstaltung darf man sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, auch wenn auf den letzten Metern plötzlich unerwartete Probleme auftreten“, sagt Guth.

Uta Goretzky vom FEM warnt Neulinge davor, sich vom „hippen Image“ der Branche blenden zu lassen. „Viele glauben, man jettet pausenlos durch die Weltgeschichte. Aber die meiste Zeit verbringt ein Eventmanager am Schreibtisch – mit Kalkulationen, dem Einholen von Angeboten und Abstimmungen mit den Kunden.“

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, für den stünden die Chancen auf einen Job nicht allzu schlecht, meint die Event-Expertin. Der große Boom der Jahre 2000/2001 sei zwar vorbei. Doch die Branche befinde sich dennoch weiter im Aufwind. Das bestätigt auch die Erhebung „Eventklima in Deutschland“, die das FME Anfang des Jahres durchführte. „Die befragten Experten sind sich einig, der Markt wird wachsen, die Budgets werden steigen“, fasst Goretzky die Ergebnisse der Studie zusammen.

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