Zeitung Heute : Große Namen der deutschen Lkw-Geschichte

Borgward, Büssing, Hanomag, Henschel, Kaelble und Krupp: Alle kommen nach Marienfelde

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Ein großes Fest eines der bedeutendsten deutschen Nutzfahrzeughersteller kann an einem Standort wie Berlin-Marienfelde natürlich nicht ohne ein Treffen von Oldtimern stattfinden, passenderweise Lastwagen. Und da es ein bundesweites Treffen ist, kommt so ziemlich alles nach Berlin, was in der Geschichte des deutschen Nutzfahrzeugbaus auch neben den Großen aus Gaggenau Rang und n hatte. Leider muss man „hatte“ sagen, denn viele der Firmen, deren frühere Produkte in sehr gut erhaltenem Zustand an die Spree rollen werden, sind inzwischen Geschichte. Eine, die mit den Borgwards, Büssings, Hanomags, Henschels, Kaelbles und Krupps wieder in Erinnerung gerät. Nehmen wir uns hier nur zwei Beispiele heraus:

Wer an Büssing denkt, der sieht den Braunschweiger Löwen vor sich, der die Lkw zierte – und nicht nur diese. Denn MAN, die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, die Büssing 1971 formell übernahm, ließ den Löwen auch auf den neuen Fahrzeugen weiterleben.

Der 1843 bei Wolfsburg geborene Heinrich Büssing gründete 1868 eine Firma für Eisenbahn-Signalanlagen. Zum Lastwagen- und Omnibusbau kam er erst 1903, als er mit seinen Söhnen Ernst und Max in Braunschweig ein Werk errichtete.

Das Geschäft florierte, 1929, im Todesjahr des Seniorchefs, wurden eine Mannesmann-Tochter sowie die NAG übernommen, die Fahrzeug-Tochter der AEG in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg waren rund 7000 Menschen beschäftigt, die Hälfte davon freilich bestand aus Zwangsarbeitern – wie allenthalben in der deutschen Industrie jener Jahre.

Bis 1961 mauserte sich das Unternehmen nach der Übernahme von Teilen der Borgward-Konkursmasse zum größten Lkw-Produzenten in Europa, allerdings begann hiermit schon der Anfang vom Ende. Allein ging es nicht mehr – von 1962 bis 1968 gelangten alle Anteile an die Salzgitter AG. Aber der Busbau boomte: 1964 waren 54 Prozent aller Busse mit Niederflurmotor des Öffentlichen Personennahverkehrs von Büssing. Nur konnte auch das den Niedergang nicht aufhalten – 1972 gingen die Anlagen in Braunschweig und Salzgitter-Watenstedt endgültig an die MAN.

Deutschlands Rüstung der vergangenen Jahrhunderte wäre ohne Friedrich Krupp sicherlich ärmer gewesen, ob man das nun bedauern sollte oder nicht. Aber hin und wieder hat das 1811 gegründete Unternehmen auch etwas für die zivile Nutzung gefertigt, etwa den nahtlos gewalzten Eisenbahn-Radreifen. Und Krupp (nun Friedrich junior) unterstützte Rudolf Diesel, der seinen Selbstzünder bis 1897 zur Serienreife brachte.

Krupp ließ sich mit dem Lastwagenbau Zeit, während des Ersten Weltkrieges wurden lediglich Artillerie-Zugmaschinen hergestellt.1919 entstand der erste Lkw, ein Fünftonner mit 45 PS. Und 1920 richtete das Unternehmen in Essen ein Werk ein (die Krawa), um den Fünftonner in größerer Serie zu fertigen. Pro Jahr entstanden um die 5000 Lkw, damals bemerkenswert viel.

Während der Nazizeit wurde auch Krupps Fertigung der Rüstung unterstellt, nach Kriegsende kam es zunächst zur Auflösung des (vor den Amerikanern nach Kulmbach geflohenen) Werks, aber Mitte 1950 ging es mit den legendären Rundschnauzen-Diesel-Zweitaktern los, mit Titan und Mustang.

Als der Markt stärkere Motoren forderte, kaufte Krupp sie Anfang der 60er Jahre von der US-Firma Cummins ein. Das waren dann Diesel-Viertakter. Mitte der 60er ging es dem Konzern finanziell immer schlechter, es wurde nach Möglichkeiten gesucht, Sparten abzuwerfen. Schließlich übernahm Daimler-Benz 1968 die Krawa sowie 1971 auch jenes Konglomerat, das 1965 aus Hanomag und Henschel entstanden war. gih

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