Zeitung Heute : Großflughafen in Athen: Flieger, kommst Du nach Sparta ...

Rainer W. During

Wenige Tage vor der geplanten Eröffnung des neuen Großflughafens von Athen ist es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Betreibern und der internationalen Organisation der Luftverkehrsgesellschaften (IATA) gekommen. Deren Generaldirektor Pierre Jeanniot forderte, die für den 1. März vorgesehene Inbetriebnahme des Athens International Airport zu verschieben, um ein wegen fehlender Infrastrukturen drohendes Chaos zu vermeiden. Die vom griechischen Staat und einem deutschen Firmenkonsortium unter Führung der Hochtief AG getragene Betreibergesellschaft wies die Bedenken der künftigen Nutzer als ungerechtfertigt zurück.

Der neue Airport bei Sparta soll rechtzeitug vor dem Beginn der diesjährigen Sommersaison den veralteten, überlasteten Hellenikon-Flughafen ablösen. Das Vier-Milliarden-Projekt wurde in 52monatiger Bauzeit von dem deutschen Konsortium errichtet. Hochtief und sein Partner ABB - auch beim Berliner Flughafenprojekt in einem Boot - besitzen außerdem 45 Prozent der Gesellschaft, die den "Athens International Airport" zunächst für 25 Jahre betreiben wird. Bei der Übergabe im vergangenen Oktober hatte Vorstandsmitglied Karl Rönnberg das Vorhaben als "einen Meilenstein für Hochtief auf dem Weg zum weltweit operierenden Airport-Manager" bezeichnet. Seitdem laufen die Anlagen im Probebetrieb ohne echten Flugverkehr.

Weder der Autobahn-Zubringer noch die Straße zur Wohnsiedlung der meisten Flughafen-Mitarbeiter bei Hellenikon werden am 1. März fertiggestellt sein, erkläre Pierre Jeanniot. Seit 15 Monaten habe man die griechische Regierung auf das Problem hingewiesen, Die sichere und pünktliche Erreichbarkeit des Airports sei Voraussetzung, wenn die Flugzeuge nicht "verspätet und ohne Passagiere" starten sollen, wie der IATA-Chef jetzt befürchtet. Auch Bordküchen, Fracht- und Wartungsanlagen seien nicht betriebsbereit, kritisierte Jeanniot. Die Fluggesellschaften hätten bisher nur unzureichende Informationen für den bevorstehenden Umzug erhalten. Um ein Chaos wie bei der verfrühten Eröffnung des neuen Airports von Hongkong zu vermeiden, müsse die Inbetriebnahme verschoben werden.

"Der Flughafen ist im Testbetrieb, alles läuft wie geplant", kontert Hochtief-Firmensprecher Werner Baier. Und die Betreibergesellschaft bedauert in einer Erklärung, dass die "nicht der Wahrheit entsprechenden" Äußerungen des IATA-Direktors das Verhältnis zu ihren wichtigsten Kunden, den Luftverkehrsgesellschaften, trüben. Die Zufahrtsstraßen werde am 1. März ebenso betriebsbereit sein wie die Frachtanlagen. Zwei Bordküchen seien fertiggestellt. Das Gebäude von Olympic Catering befinde sich in der Vollendungsphase, das Unternehmen habe die Versorgung seiner Kunden ebenfalls sichergestellt.

Probleme wie in Hongkong schließen die Betreiber aus. Hätten dort die Computer versagt, würden sich in Athen alle Systeme seit fünf Monaten im Probetrieb bewähren. Auch die üblichen Wartungsarbeiten zwischen Landung und Start sind gewährleistet, betonte die Flughafengesellschaft. Lediglich die Werft der Olympic Airways ist noch im Bau, die Gesellschaft wird ihre Maschine für größere Reparaturen deshalb vorerst noch nach Hellenikon fliegen.

Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern, bescheinigte den Griechen erhebliche Anstrengungen bei der Steigerung der Flugsicherheit. Galt der Himmel über Hellas einst als der gefährlichste in Europa, gebe es seit anderthalb Jahren deutliche Verbesserungen. Dazu gehören eine inzwischen fast komplette Radarkontrolle des oberen Luftraumes und die Installation eines Anflugradars in Athen.

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