Zeitung Heute : Grün lässt auf sich warten

Der S-Bahnhof Charlottenburg ist zum U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße gewandert. Gegen den Neubau von zwei Bahnsteigen haben sich Anwohner vergeblich gewehrt. Jetzt wollen sie wenigstens ihre Vorstellungen beim Bau der Parkanlage verwirklichen – und die Bahn macht mit

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Von Klaus Kurpjuweit Lange wurde gestritten – jetzt ist es vollbracht. Fast zumindest. Gegen den Widerstand vieler Anwohner haben die Bahn und der Senat den Bahnhof Charlottenburg umgebaut und die Bahnsteige der S-Bahn näher an den U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße gerückt. Seit dem 24. April sind beide Bahnsteige in Betrieb. Auf die als Ausgleich für die Bauarbeiten versprochene Grünanlage am Stuttgarter Platz müssen die Anwohner allerdings noch länger warten. Vor 2007 werden sie kaum durch die neue Anlage bummeln können.

Die Grünanlage soll zwischen der Wilmersdorfer Straße und der Windscheidstraße entstehen. Die Parkplätze, die es bisher dort gab, fallen dann weg. Doch mit den vorgelegten Plänen durch die Bahn AG waren die Bezirksverordneten und die Bürgerinitiative Stuttgarter Platz nicht einverstanden. „Zu viel Stein“, sagte Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne), hätte es nach diesen Vorstellungen im Park gegeben.

Jetzt erstellt ein Büro im Auftrag des Bezirks zusammen mit der Bürgerinitiative einen neuen Plan, der ihren Vorstellungen entsprechen soll. Die Bahn ist damit einverstanden und wird von Schmiedhofer dafür gelobt: „Dies ist eine wunderbare Lösung“. Die Anwohner hätten es nach ihrem jahrelangem Einsatz für den Stuttgarter Platz verdient, dass wenigstens bei der Grünanlage ihre Ideen berücksichtigt werden.

Beim Bahnhofsumbau war das Engagement vergeblich. Hier hatten die Anwohner gefordert, nur einen neuen Bahnsteig zu bauen, was weniger Platz beansprucht und das Fällen von Bäumen weitgehend vermieden hätte. Die S-Bahn bestand jedoch darauf, auch nach dem Verschieben des Bahnhofs wieder zwei Bahnsteige zu haben. Dies sei für den Betrieb, auch zum Olympiastadion, unverzichtbar, argumentierten die S-Bahn-Planer.

Hätte es nur einen Bahnsteig gegeben, wäre es möglich gewesen, ihn über der Straßenunterführung zu bauen. Dann hätte es einen fast direkten Übergang zur U-Bahn gegeben. Weil dort der Platz für zwei Bahnsteige fehlte, liegen jetzt knapp hundert Meter zwischen den Stationen. Und dieser Weg ist nicht überdacht.

Dass beide Bahnhöfe, die im Netz eine Umsteigestation bilden, weiter verschiedene Namen haben, liegt aber nicht an der Entfernung. BVG und S-Bahn konnten sich schlicht nicht auf eine gemeinsame Bezeichnung einigen.

Auch heute ist von einer Umsteigestation noch nicht viel zu spüren. Auf dem U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße hat die BVG Hinweisschilder auf den S-Bahnhof Charlottenburg nur im Miniformat angebracht; am Ausgang, der zur S-Bahn führt, fehlen sie sogar ganz. Immerhin verweist die S-Bahn in ihrer Anlage auf den Weg zur U-Bahn.

Dafür hatte sie Probleme bei der Orthografie. Auf ihren Hinweisschildern stand zur Eröffnung des Bahnsteiges als ein Ziel Straußberg, obwohl sich die Stadt östlich von Berlin Strausberg schreibt.

Immerhin gibt es auch noch etwas Gutes: Auf der Südseite des Bahnhofs, an der Gervinusstraße, sind die Probleme beseitigt. Die Arbeiten für den „Lustgarten“ und den Spielplatz sollen im Juni beginnen. Und diese Anlage wird nach Ansicht von Stadträtin Schmiedhofer „wunderschön“ werden.

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