Zeitung Heute : Gründerbild mit Dame

Die Sieger des Businessplan-Wettbewerbes Berlin-Brandenburg stehen fest – Teilnehmerrekord mit 1109 Existenzgründern

Regina-C. Henkel

Markus Hammer und Gordon Brestrich haben es im Blut. Der 32-jährige Mediziner und der 29-jährige Biotechnologe kennen sich nicht nur sehr genau mit weißen Blutkörperchen aus, sondern haben auch ein Instrumentarium zum Nachweis von T-Lymphozyten im Blut entwickelt. Diese sind Bestandteil des körpereigenen Immunsystems, durch sie gehen weltweit etwa 30 Prozent aller Transplantationen schief. Mit dem „T-Trace-Kit“ der beiden Berliner Jungunternehmer Hammer und Brestrich muss das nicht mehr sein. Ein unverträgliches Spenderorgan kann mit Hilfe des innovativen Diagnose-Tools von T-Trace innerhalb weniger Minuten erkannt werden. Das Abstoßungsrisiko bleibt Kranken und Verletzten erspart – den Krankenversicherungen ebenfalls.

Das „T-Trace-Kit“ wird eine Erfolgsgeschichte. Davon sind die Juroren des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg (BPW) fest überzeugt. Die Organisatoren und Förderer von Deutschlands größter regionaler Existenzgründer-Initiative wählten das Forscherduo Hammer/Brestrich deshalb auf den zweiten Platz des Siegertreppchens des BPW 2006. Dort erreichte die Q-Tronic GmbH den dritten Platz. Sie kann mit modernsten Simulationsmethoden das Fehler- und Zuverlässigkeitsverhalten eines bislang noch gar nicht existenten Produkts aufzeigen. Die beiden Gründer von Syncing.net gewannen mit ihrer Software-Lösung für den vollautomatischen Abgleich von Microsoft Outlook-Daten zwischen mehreren Computern via Internet den diesjährigen BPW.

Dass Informatiker Jakob Mauss (43), Regelungstechniker Mugur Tatar (41) und Informatiker Andreas Junghanns (38) als Gründer der Q-Tronic GmbH ihre Businesspläne ebenso zuverlässig, schnell und nachhaltig im Markt umsetzen werden wie die beiden T-Trace-Jungunternehmer, daran haben die BPW-Juroren keine Zweifel. Auch das Konzept des 23-jährigen Syncing.net-Gründers André Hacker und seines 28-jährigen Kollegen Matthias Kandeler überzeugte ohne Abstriche.

Alle 575 Gründerteams waren in einem fast neunmonatigen Begleit- und Unterstützungsmarathon von insgesamt 970 Coaches und Juroren betreut worden. Und wenn auch nicht alle Teilnehmergruppen am Ende als Sieger ausgezeichnet wurden, so trägt ihr Einsatz üblicherweise doch Früchte. Klaus-Dieter Licht, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank des Landes Brandenburg, weiß: „In den Jahren 1996 bis 2005 wurden insgesamt 3254 Businesspläne im Rahmen des BPW Berlin-Brandenburg erarbeitet. Daraus haben sich bis heute 902 Unternehmen mit insgesamt 3242 Arbeitsplätzen nachhaltig entwickelt.“

Professor Dieter Puchta, Vorstandsvorsitzender der IBB in Potsdam freut sich ganz besonders über das dauerhaft zunehmende Interesse: „Noch nie zuvor beteiligten sich so viele Teilnehmer am BPW. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich viele der insgesamt 1109 Teilnehmer zu größeren Teams zusammengeschlossen haben. Dies bündelt wertvolles Know-how und fördert die Kreativität der Köpfe.“ Der BPW findet in diesem Jahr zum elften Mal statt. Für die kommende zwölfte Runde laufen bereits die Vorbereitungen. Teilnehmen kann „jeder, der eine innovative Produkt- oder Dienstleistungsidee hat“. Vorausgesetzt wird aber, dass „die Gründung eines Unternehmens im Land Berlin oder im Land Brandenburg geplant oder nicht länger als 18 Monate vor Wettbewerbsbeginn erfolgt“ ist. Auch Konzepte zur Unternehmensnachfolge werden unterstützt.

Bei diesen Minimalanforderungen ist es also entscheidend, wie stark sich die Wettbewerbsteilnehmer bei der Ausarbeitung ihres Geschäftskonzepts ins Zeug legen. Jurymitglied Michael H. Höppner vom Kompetenz-Center Gründungen und Unternehmensnachfolge der Berliner Sparkasse sagt: „Wer die Vortrags- und Seminarangebote des BPW wahrnimmt und sich ausführlich beraten und coachen lässt, kann sich im Verlauf des neunmonatigen Wettbewerbs das Rüstzeug für einen überzeugenden und tragfähigen Businessplan aneignen.“ Und er erhält, so darf hinzufügt werden, eine Art Eintrittskarte in die Welt der Kreditgeber.

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