Zeitung Heute : Grüne fordern Reform der Lehrer-Arbeitszeit

Der Tagesspiegel

Die Bündnisgrünen machen Druck bei der Reform von Kitas und Schulen. Unter dem Motto „Bildung hat Priorität“ überschütteten sie am Donnerstag das Abgeordnetenhaus im Rahmen einer Großen Anfrage mit acht Anträgen, um der rot-roten Koalition auf die Sprünge zu helfen. Dabei wurden auch unbequeme Themen angesprochen wie die Abschaffung der Vorschulklassen und die Neuregelung der Lehrer-Arbeitszeit. Abgelehnt wird die geplante Kürzung von 1300 Stellen bei den Kindertagesstätten.

„Die Kitas als erste Stufe des Bildungssystems müssen ausgebaut werden“, forderte Elfi Jantzen, jugendpolitische Sprecherin der Grünen. Zwar gebe es auch von Seiten der Koalition in dieser Richtung „Lippenbekenntnisse“. Dem widerspreche aber, dass die Freistellung für Leitungsaufgaben in den Kitas reduziert werde. Statt die Leiterinnen für Betreuungsaufgaben heranzuziehen, solle man mit ihnen lieber daran arbeiten, die Kitas zu „elementaren Bildungs- und Erziehungseinrichtungen“ zu entwickeln. Eine Konsequenz aus der Reform der Kitas müsse sein, dass die Vorklassen in den Grundschulen abgebaut und vollständig an die Kitas angegliedert werden.

Die Grünen wollen auch erreichen, dass weniger Kinder vom Schulbesuch zurückgestellt werden. „Die Schulen müssen sich auch mit Kindern beschäftigen, die als nicht schulreif gelten“, fordert ihr bildungspolitischer Sprecher Özcan Mutlu. Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass es in anderen Staaten wesentlich weniger Rückstellungen gebe. Einen weiteren Reformschwerpunkt sieht Mutlu in der Förderung ausländischer Kinder. Dazu gehöre, dass Erzieher und Lehrer besser auf die Sprachförderung und „interkulturelle Pädagogik“ vorbereitet würden. Die bisher übliche Sprachförderung müsse dringend evaluiert werden. Außerdem soll der öffentliche Dienst verpflichtet werden, mehr Jugendliche ausländischer Herkunft auszubilden. Deren Anteil an den Auszubildenden sank seit 1994 von 8,8 auf jetzt zwei Prozent.

Wichtig ist den Grünen, dass bei den Lehrern mehr „Arbeitszeitgerechtigkeit“ hergestellt wird, indem es je nach Fach und Korrekturaufkommen unterschiedlich viele Pflichtstunden geben soll. Außerdem sollten in der formalen Festlegung der Arbeitszeit verbindliche Zeiten für Schulentwicklung, Schüler- und Elternberatung sowie Fort- und Weiterbildung vorgesehen werden. sve

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