Zeitung Heute : „Grüne“ Jobs bieten gute Chancen

Im Umweltbereich entstehen immer mehr Arbeitsplätze

Thorsten Wiese

Vor 25 Jahren führten „grüne“ Ideen in Unternehmen noch ein Nischen–Dasein. Seit den achtziger Jahren hat der Umweltschutz aber seinen Platz im Arbeitsleben und ist in vielen Berufen von Bedeutung: Nach Zahlen des Bundesumweltministeriums in Berlin hingen in Deutschland 1998 schon rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze vom Umweltschutz ab. Inzwischen stagniere zwar die Zahl der unmittelbar vom Umweltschutz abhängigen Arbeitsplätze, sagt Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit in Bonn. Dennoch habe sich der Umweltschutzgedanke fest in der Wirtschaft etabliert. In annähernd jedem Wirtschaftszweig werde auf den Umweltschutz geachtet.

Im Zuge dieser Professionalisierung hat sich der „grüne“ Arbeitsmarkt ausdifferenziert. So gibt es heute in Chemieunternehmen Umweltschutzbeauftragte und eine Vielzahl anderer „grüner“ Jobs. Dazu zählten Emissionskontrollen in der Industrie, Baustoffprüfungen oder Aufgaben in der Energie- oder der Abfallwirtschaft, sagt Hohn. Zudem seien Berater, Gutachter und Manager für unterschiedliche Fragen rund um den Umweltschutz unverzichtbar geworden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) in Osnabrück zum Beispiel zählte 1990 rund 1000 Mitarbeiter in der Branche. Neun Jahre später waren es 27 000. Heute geht der BWE davon aus, dass 45 000 Arbeitsplätze von der Windkraft abhängen.

Vor allem ingenieurwissenschaftliche Studiengänge münden in einen „grünen“ Beruf. Nach Stellenmarktauswertungen der ZAV wenden sich rund 90 Prozent aller Jobangebote für „grüne“ Berufe an Techniker. Aber auch Natur- und Sozialwissenschaftler, Juristen und Betriebswirte können hier arbeiten. Ohnehin ist der Umweltschutz der ZAV zufolge ein aussichtsreicher Arbeitsmarkt für Akademiker. Vor allem in der Bauwirtschaft und in Berufen rund um Verkehr und Mobilität erwartet das Umweltministerium in Zukunft zusätzliche Arbeitsplätze.

Ein Hochschulabschluss ist in jedem Fall eine gute Voraussetzung für eine Tätigkeit im Umweltschutz. Studienanfänger mit einem „grünen“ Berufswunsch, sollten Umwelt- und Verfahrenstechnik studieren, rät Gerhard de Haan, Professor an der Freien Universität Berlin und Autor eines Umweltstudienführers. Darüber hinaus hätten Absolventen der Verkehrstechnik und der Landschaftspflege gute Chancen auf dem neuen Arbeitsmarkt. (dpa)

Literatur: Gerhard de Haan, Irene Donning und Bernhard Schulte: Der Umweltstudienführer, Verlag Eugen Ulmer, 14,90 Euro.

Die Broschüre „Haben grüne Jobs Zukunft?“ ist kostenlos erhältlich bei der ZAV, Villemombler Straße 76, 53107 Bonn (Telefon: 0228 / 713 12 92)

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