Zeitung Heute : Grüner kochen

Induktionsherde brauchen weniger Strom. Doch auch einfache Tricks schonen Umwelt und Geldbeutel

Philipp Eins
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Die Hitze nicht verheizen. Induktionsherde sparen Energie. Laut Stiftung Warentest macht sich das aber eher in der...

Die Möbel stehen an der richtigen Stelle, die Kartons sind ausgepackt – fehlt nur noch ein passender Herd für die neue Wohnung. Die Erwartungen an das Gerät sind hoch: Energiesparend soll es sein, zudem sicher, familientauglich und umweltfreundlich. Wer sich in den Elektrohandel begibt und verschiedene Herdplatten und Kochmethoden vergleicht, verliert schnell den Überblick. Die Auswahl ist groß, eine Kennzeichnung in Energieklassen, wie sie bei Kühlschränken oder Backöfen üblich ist, gibt es nicht.

Immer häufiger treffen umweltbewusste Verbraucher bei ihrer Suche auf sogenannte Induktionsherde. Schnelleres Kochen bei geringerem Stromverbrauch – so lautet das Versprechen der Hersteller. Und tatsächlich: „Die Energieersparnis beträgt im Durchschnitt 20 Prozent“, erklärt Brigitte Kluth-Kosnik von der Stiftung Warentest, die kürzlich verschiedene Herde unter die Lupe genommen hat.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Herden wird die Wärme mittels Induktionstechnik nicht über eine Kochplatte geleitet, sondern dort erzeugt, wo sie hin soll: im Geschirrboden. Durch flache Kupferspulen, die sich unter der Glaskeramik befinden, fließt Wechselstrom mit etwa 20 bis 60 Kilohertz und sendet ein elektromagnetisches Feld, das Töpfe aus Stahl- Email oder Gusseisen erhitzt.

Die Vorteile des „kalten“ Kochens: Es gibt keine heißen Herdplatten, an denen sich Kinder die Finger verbrennen, keine angebrannten Essensreste auf der Kochstelle – und keine Energieverschwendung durch mechanische Wärmeübertragung. Das kommt bei den Verbrauchern an. Während im Jahr 2002 in Deutschland gerade einmal 12 000 Induktionskochfelder verkauft wurden, waren es sechs Jahre später schon mehr als 230 000.

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung lässt die moderne Kochtechnik jedoch in anderem Licht erscheinen: Nach Angaben der Stiftung Warentest macht sich die Energieersparnis durch Induktionsherde zwar in der gesamtgesellschaftlichen Umweltbilanz bemerkbar, nicht aber auf der Stromrechnung der Verbraucher: Nur fünf Euro pro Jahr können sie durchschnittlich einsparen. „Ein funktionierendes Kochfeld auszutauschen, macht also überhaupt keinen Sinn“, sagt Kluth-Kosnik. Zumal die meisten Induktionsherde in der Anschaffung teurer sind als gewöhnliche Geräte. Bis auf zwei Herde von Ikea und Quelle liegt der Preis aller anderen getesteten Produkte bei über 1000 Euro. Der „Miele KM 5945“, dessen Stromverbrauch als einziger mit „Sehr gut“ bewertet wurde, ist mit einem Kaufpreis von 1730 Euro sogar der teuerste.

Nach Ansicht von Christian Noll, Energieeffizienzexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz, können auch gesundheitliche Bedenken gegen das Induktionskochen sprechen. „Manche Menschen leiden unter Elektro-Hypersensibilität, reagieren also auf elektromagnetische Felder mit Kopfschmerzen und Unwohlsein“, sagt Noll. Auch Schwangeren und Trägern von Herzschrittmachern rät er dabei zu besonderer Vorsicht. Nach Auskunft des Bundesamtes für Strahlenschutz hängt die Strahlenmenge allerdings vor allem davon ab, wie gut Topf und Kochfeld aufeinander passen.

In einem sind sich Stiftung Warentest und Naturschutzverband einig: Am effizientesten kocht man immer noch mit Erdgas. Mit einer Gasflamme lässt sich die Hitze genauer regulieren, das Kochen ist umweltfreundlicher und preiswerter als auf einem Elektroherd. 50 Euro pro Jahr beträgt die Ersparnis – immerhin.

Eine Gasleitung sollte man sich trotzdem nicht extra legen lassen, so Noll. Kochen mit Erdgas ist vielmehr die beste aller schlechten Lösungen: „Es ist ein fossiler Energieträger und somit nicht zukunftsweisend“, sagt er. Auch mit einem gewöhnlichen Elektroherd könne man etwas für die Umwelt tun, indem man auf Ökostrom setzt – und an seiner Garmethode arbeitet.

Ein Schnellkochtopf nämlich bringt gegenüber einem gewöhnlichen Topf eine erhebliche Energie- und Zeitersparnis. Nach Angaben des Umweltbundesamtes verbraucht das Kochen unter Druck bis zu 50 Prozent weniger Energie. Getreideprodukte wie Reis, Grünkern oder getrocknete Hülsenfrüchte benötigen sogar nur ein Viertel der Zeit, bis sie gar sind. Lohnend ist der Einsatz des Schnellkochtopfs besonders dann, wenn die konventionelle Garzeit 20 Minuten überschreitet.

Wer sparen will, sollte zudem unebene oder verbeulte Kochtöpfe austauschen. Sie verdoppeln nämlich Energieverbrauch und Kochzeit. Ein guter Topf- und Pfannenboden, so das Umweltbundesamt, ist im Kaltzustand leicht nach innen gewölbt. Bei Erwärmung dehnt er sich zur Kochstelle hin aus und hat im Heißzustand die beste Auflage. Um die Hitze optimal zu übertragen, sollte der Topfboden die Herdplatte um höchstens einen Zentimeter überragen.

Manchmal helfen laut Christian Noll aber auch die einfachsten Tipps. So würden einige Hobbyköche beim Garen überhaupt keinen Deckel benutzen. Und das ist beim Kochen der Energiefresser Nummer eins: Bei offenem Kochtopf wird etwa das Dreifache an Strom verbraucht.

Buchtipp: Bund für Umwelt und Naturschutz (Hrsg.): Das Klimakochbuch – Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen“, Kosmos-Verlag, Stuttgart 2009, 128 Seiten, 12,95 Euro.

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