Zeitung Heute : Grüner Strom aus intelligenten Netzen Smart Grids setzen Energie besser ein

Susanne Hörr
Schlaue Zähler melden den aktuellen Verbrauch an einen Zentralrechner. Foto: p-a/dpa
Schlaue Zähler melden den aktuellen Verbrauch an einen Zentralrechner. Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa

Erneuerbare Energien sind sauber, aber launisch. Die Sonne scheint nicht immer, wenn man Strom benötigt, und der Wind bläst auch dann weiter, wenn Stromnetzen die Überlastung droht. Wie Berlin zu seinem 800. Geburtstag im Jahr 2037 regenerativ erzeugten Strom optimal nutzen könnte, hat Kai Strunz vom Fachgebiet Energieversorgungsnetze und Integration Erneuerbarer Energien untersucht. Die Studie „Sustainable Urban Infrastructure“ ist eine Kooperation von der TU Berlin, Siemens und Vattenfall.

Die Lösung klingt banal: Wenn man die Naturgewalten nicht zähmen kann, müssen eben die Stromnetze intelligenter werden. „Mit einem sogenannten Smart Grid können eine Vielzahl von Stromverbrauchern und -erzeugern verknüpft und die Leistungsschwankungen von Wind- und Solarkraft besser ausgeglichen werden“, sagt Strunz, der verschiedene Zukunftsszenarien entwickelt hat.

Während heute meist ein zentrales Großkraftwerk viele Verbraucher mit Strom versorgt, wird das Stromnetz von morgen ein Netzwerk sein. Aus dem Verbraucher ist dann ein sogenannter „Prosumer“ geworden. In dem Kunstwort stecken „Produzent“, weil die Haushalte von morgen selbst Strom erzeugen und so Schwankungen ausgleichen, und „Konsument“, weil die Kunden auch Energie aus Solar- oder Windanlagen beziehen.

Ein weiterer Baustein von intelligenten Stromnetzen sind Smart Buildings, Gebäude also, die erfassen können, wann viel Strom zur Verfügung steht. Je nach Versorgungslage werden dann Elektrogeräte wie Waschmaschinen oder Trockner gezielt an- und abgeschaltet.

Damit überschüssiger Strom nicht verloren geht, kann man ihn auch speichern, so das Szenario. Neben Wärmepumpen fungieren etwa Elektrofahrzeuge als Wind- und Sonnenstromspeicher. In Zeiten, in denen viel Energie zur Verfügung steht, werden die Autos kostengünstig mit Strom geladen, den sie später auch wieder in das Netz einspeisen.

„Berlin kann der Welt zeigen, wie man Smart-Grid-Technologien etabliert“, sagt der TU-Professor. Laut seiner Studie könne die Stadt mithilfe eines intelligenten Stromnetzes bis 2037 den Anteil von Elektroenergie, die ohne Ausstoß von Kohlendioxid erzeugt wurde, auf 60 Prozent erhöhen. Susanne Hörr

Weitere Informationen unter

www.ieee-isgt-2012.eu

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