Zeitung Heute : Grüner wird’s nicht

Ziergras oder Spielwiese? Wählt man die falsche Rasenmischung, ist die beste Pflege vergebens

Perfekt getrimmt ist der Golf-Rasen auf dem Kreuzfahrtschiff „Celebrity Solistice“. Die Deck-Begrünung war eine echte Herausforderung. Denn die Halme müssen nicht nur Wind und Salzwasser trotzen, sondern auch leicht sein, damit das Schiff nicht zu viel zusätzlichen Ballast trägt – Probleme, mit denen sich Hobbygärtner zum Glück nicht herumschlagen müssen. Foto: Promo, epr/Optigrün, Fiebak
Perfekt getrimmt ist der Golf-Rasen auf dem Kreuzfahrtschiff „Celebrity Solistice“. Die Deck-Begrünung war eine echte...

Jedes Jahr im Frühling das gleiche Bild. Der Rasen wird geharkt, gewässert und gemäht, Kahlstellen werden ausgebessert oder neue Flächen angelegt. Schön soll er sein – und immer mit einem satten Grün glänzen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Zunächst kommt es darauf an, ob man einen sorgfältig gepflegten Teppichrasen oder einen strapazierfähigen Gebrauchsrasen kultivieren möchte. Ausschlaggebend ist die Zusammensetzung der Saatgutmischungen. Neben Standortfaktoren und Pflege ist der Anteil der einzelnen Grasarten entscheidend für die Qualität des Rasens. Für Zierrasen haben sich Mischungen mit einem hohen Anteil (60 bis 90 Prozent) Rotschwingel und einem geringen Anteil Wiesenrispe (bis 25 Prozent) sowie Deutschem Weidelgras (bis 10 Prozent) bewährt. Dagegen empfehlen sich für Strapazierrasen (einschließlich Sport- und Spielrasen) Mischungen mit 30 Prozent Deutschem Weidelgras, 30 bis 60 Prozent Wiesenrispe und bis zu 25 Prozent Rotschwingel.

Die im Handel angebotenen Mischungen entsprechen nicht immer diesen Richtwerten. Wichtig ist bei strapazierfähigen Rasen, dass ein hoher Anteil von Deutschem Weidelgras vorhanden ist. Und: Vorsicht ist bei Billigangeboten. Ihnen sind mitunter landwirtschaftliche Futtergräser wie Einjähriges Weidelgras oder Welsches Weidelgras beigemischt, die sich negativ auf die Rasenqualität auswirken. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kauft bei speziellen Saatgutfirmen, die man über Gärtner-Verbände, Fachzeitschriften oder im Internet findet.

Zurück im Garten muss der Boden zunächst gut vorbereitet, Unkräuter sorgfältig entfernt werden. Um die Qualität des Untergrunds zu beurteilen, empfiehlt sich eine Bodenprobe: Lässt sich aus feuchtem Oberboden mit der Hand keine Kugel formen, ist der Boden zu sandig. Dann sollte Komposterde oder Rindenhumus – und am besten gleich noch ein Dünger – eingearbeitet werden. Anschließend wartet man etwa eine Woche, damit sich der Boden setzt. Die Aussaat – man rechnet etwa 20 bis 30 Gramm Saatgut pro Quadratmeter – erfolgt möglichst gleichmäßig. Anschließend wird mit Trittbrettern festgetreten. Schließlich wird die Fläche mit einem fein sprühenden Rasensprenger gleichmäßig feucht gehalten. Nach ein bis zwei Wochen sprießen die ersten Halme.

Die erste Mahd erfolgt, wenn die Rasengräser etwa acht Zentimeter hoch sind. Wie oft danach geschnitten werden muss, hängt von der Witterung und vom Ernährungszustand des Rasens ab. Im Frühsommer gilt als Richtwert ein Schnitt alle acht bis zehn Tage; in dieser Zeit wächst der Rasen kräftig. Wichtig: nicht zu kurz schneiden, damit der Boden nicht austrocknet. Hat der Rasen eine Höhe von zehn Zentimetern, wird auf etwa drei Zentimeter gekürzt. Ab Juni lässt die Wuchskraft nach, gewöhnlich genügt dann ein Schnitt alle zwei Wochen. Die Schnitthöhe beträgt im Sommer besser vier bis fünf Zentimeter, da zu kurzer Rasen unter der Sonne leidet. Hellt sich die Grasnarbe trotz Regen großflächig auf oder verfärbt sich gelb, ist eine Gabe von stickstoffbetontem Dünger nötig. Nach dem Streuen muss gut gewässert werden, damit die Nährstoffe in die Wurzeln gelangen und die Pflanzen durch die Düngesalze nicht verbrennen.

Werden trotz aller Pflege Kahlstellen sichtbar, muss ausgebessert werden. Zuerst schneidet man den Rasen kurz. Anschließend wird der Boden mit dem Vertikutierer bearbeitet. Sind nur kleine Flächen betroffen, genügt es, diese oberflächlich mit der Eisenharke zu lockern und anschließend neu zu säen.

Ein häufiges Übel sind Moose und Unkräuter. Die Ursache sind meist Nährstoffmangel oder Bodenverdichtungen. Unkräuter mit tiefgehenden Wurzeln wie Löwenzahn müssen ausgestochen werden, Klee kann durch kreuzweises Ausharken eingedämmt werden. Moos lässt sich zwar auch durch Harken beseitigen, wer die Ursache bekämpfen will, muss aber vertikutieren.

Anhaltende Trockenheit hat die grüne Pracht in tristes Braun verwandelt? Noch ist nicht alles verloren. Die meisten Gräser überstehen auch längere Trockenzeiten recht gut. Auch wenn die oberirdischen Teile absterben, treiben die Knospen der Rhizome im Boden zwei bis drei Wochen nach Ende der Trockenperiode wieder aus, die Rasenfläche ergrünt neu. Wer vorbeugen will, muss ausreichend und vor allem durchdringend wässern, um auch tiefere Bodenschichten zu erreichen, am besten alle acht bis zehn Tage. Dazu lässt man den Regner etwa eine Stunde auf derselben Stelle stehen. Wer den Rasen bloß kurz bespritzt, begünstigt dagegen nur die Entwicklung von Unkräutern.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!