Zeitung Heute : Grünkohl

Von Carmen Krüger

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Da machen wir uns nun wirklich nicht die viele Mühe mit einem frischen Grünkohl, außerdem frieren einem die Finger ab, wenn man mit den eiskalten Dingern aus der Kiste arbeitet. Also, wir nehmen tiefgefrorenen Kohl, der muss dann nur noch mal durchgedreht werden. (Wer keinen Fleischwolf hat, sollte die Finger von diesem Gericht lassen!) Denn der Kohl Marke Tiefkühlkost ist nur blanchiert und einmal durch den Wolf gedreht; eigentlich sieht das Gemüse in dem Zustand fürchterlich aus, wie Kuhfutter.

Zuerst mal setze ich den Grünkohl an, mit fünf, sechs Zwiebeln und einem Kilo Schweinebauch, alles zusammen in einen Topf. Anbrennen soll’s ja nicht, also so einen Liter Wasser dazu. Zwei, drei Kilo Kohl sollte man schon nehmen, drunter lohnt sich das nicht! Sie können den Rest ja portionsweise einfrieren und dann immer mal zu Bratwurst oder Kotelett rausholen. Ein bisschen Salz und Zucker ran. Und dann kocht alles, es kocht, bis der Schweinebauch gut ist. Zweieinehalb Stunden braucht das schon.

Ernährungsphysiologisch ist das natürlich eine Vollkatastrophe, völlig inakzeptabel, Vitamine sind da keine mehr drin. Aber man kann ja zum Ausgleich eine Flasche Orangensaft trinken. Man kann den Schweinebauch extra dazu essen (ich nasche immer schon aus dem Topf, dazu eine Scheibe Schwarzbrot). Oder man dreht ihn nach dem Kochen mit durch den Fleischwolf, das ist geschmacklich die bessere Variante. Das Ganze muss so fein sein wie Spinat; es schmeckt dann auch fein, gar nicht so grob, wie die meisten den Grünkohl kennen. Abschmecken mit Salz, Zucker, Muskat - und dann tue ich noch ein wenig Sahne ran. Warum Sahne und kein Schmalz oder Gänsefett? Gegenfrage: Wer will seinen Grünkohl drei Tage wie Bleiplatten im Magen herumtragen.

Dazu passt vieles gut: Ente, Kassler, Knacker, auch Wildschwein. Mit ’ner guten Bratwurst ist das ein schnelles Mittagessen.

Carmen Krüger ist Chefin von Carmens Restaurant in Eichwalde bei Berlin

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