Zeitung Heute : Grundschule muss umziehen – die Toiletten sind defekt

Der Tagesspiegel

Von Stefan Jacobs

Mitte. Die Papageno-Grundschule ist eine Oase im Bezirk. Mit drei Spielplätzen, zusätzlichem Musikunterricht schon in der ersten Klasse, einem riesigen Schulgarten, vollem Programm von morgens bis abends und einem Förderverein, in dem Eltern schon viel Zeit und Geld investiert haben.

Bisher waren die maroden Toiletten das größte Problem der Schule. Seit dem Haushaltsbeschluss durch das Bezirksamt in dieser Woche hat sie noch ein größeres: Sie soll von der Bergstraße wegziehen, weil für die längst überfälligen Arbeiten kein Geld mehr da ist und in der nahe gelegenen Gartenstraße im Sommer ohnehin ein Schulgebäude frei wird. „Dort ist aber überhaupt kein Platz ringsum. Unser einmaliger Schulgarten wäre verloren, und die Turnhalle an der Gartenstraße ist in hundsmiserablem Zustand“, sagt Schulleiterin Brigitte Stemmler, die den Umzug um jeden Preis verhindern will. Gleich am Montag wolle sie die Lehrer zusammenrufen und mit dem Förderverein beraten, was man tun könnte. Notfalls solle der Bezirk die 1,5 Millionen Euro teure Sanierung ersatzlos streichen, „aber wir wollen wenigstens nicht rausgeworfen werden.“

Schulstadträtin Dagmar Hänisch (SPD) sagt, bisher sei tatsächlich nur das Geld für die Sanierung gestrichen, aber noch kein Umzugsbeschluss gefasst worden. Doch „daran führt in meinen Augen letztlich kein Weg vorbei“, sagt sie und betont, man habe sich „schwer getan mit dieser Schule“, weil auch das Bezirksamt um die sozial intakten Klassen und die außergewöhnlich engagierten Eltern wisse. Aber „die Zustände im Sanitärbereich sind eigentlich schon jetzt nicht mehr zulässig“.

Direktorin Stemmler fragt sich indes, was aus den Eigenleistungen wird, die im alten Schulgelände stecken. Der Förderverein habe allein 100 000 Mark für einen Spielplatz gesammelt, und sogar Fußbodenbeläge hätten die Eltern mitfinanziert. Das Ausweichquartier – ein Plattenbau, der zurzeit noch die Gehörlosenschule beherbergt, die bald nach Friedrichshain zieht – habe zwar mehr Räume, sei aber für eine Grundschule ungeeignet: „Wir brauchen keine Physik- und Chemiekabinette. Und die zusätzlichen Klassenzimmer nützen uns nichts ohne Freiraum ringsum.“ Im neuen Gebäude können alle Klassen dreizügig unterrichtet werden. Stadträtin Hänisch sieht dagegen in der größeren Gebäudefläche einen Vorteil, weil so künftig drei Klassen pro Jahrgang untergebracht werden können. Bisher übersteigen die Anmeldewünsche der Eltern die Raumkapazität bei weitem.

Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) bezeichnet die gestrichene Sanierung der Papageno-Schule als „besonders schmerzlichen Punkt“ der Streichliste des Bezirkes Mitte, sieht aber angesichts des vom Senat um vierzig Prozent gekürzten Investitionsbudgets keine Alternative dazu. Und Stadträtin Hänisch sagt, sie wolle sich Anfang nächster Woche mit der Schule in Verbindung setzen, um zumindest mit den Betroffenen zu sprechen.

Und was wird aus dem 1,7 Hektar großen Grundstück an der Bergstraße? Es könnte nach Auskunft von Hänisch an den Liegenschaftsfonds abgegeben werden. Dann könnte es vom Land verkauft werden und der Erlös im Berliner Finanzloch landen.

Die Grundschule war die erste im Ostteil der Stadt, in der im Unterricht ein Instrument gelehrt wird. Die Schule - ursprünglich die 3. Grundschule – wurde im Juni 1996 mit einer eigenen Aufführung der Mozartoper „Die Zauberflöte“ in „Papageno“-Schule umbenannt.

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