Zeitung Heute : Grundversorgung, teuer und billig

Der Tagesspiegel

NEUE KOCHBÜCHER

Der Kochbuchmarkt scheint allmählich in zwei grundverschiedene Segmente zu zerfallen: einerseits den (offenbar schrumpfenden) Markt der repräsentativen und teuren Schmuckbücher, andererseits in eine Billig-Kategorie, die freilich nicht billig aussehen darf: Üppige Fabfotos und aktuelle Rezepte sind auch dort obligatorisch. Wer also einen Prachtband auf den Markt wirft, sieht sich höchsten Ansprüchen ausgesetzt, zumal die potenzielle Kundschaft nach der Kochbuch-Offensive der letzten zwei Jahrzehnte praktisch alles hat - oder dies zumindest glaubt.

Wozu also Bände, die schlicht Das große Buch vom Obst und Das große Buch vom Gemüse heißen? Weil sich Produkte, Küchentechnik und Kochstil in diesen Jahren dramatisch verändert haben - viele teure Wälzer sind deshalb längst zu Makulatur geworden, jedenfalls für modebewusste Hobbyköche. Auch, wer (zu Recht) auf das übliche Supermarkt-Angebot schimpft, muss zugeben, dass es enorm gewachsen ist; Spezialgeschäfte bieten ständig unbekannte neue Produkte aus aller Welt. Schwer vorstellbar jedoch, dass sie in den beiden hervorragend fotografierten und gestalteten Büchern aus der Teubner-Edition (bei Gräfe und Unzer) nicht enthalten sind. Sie bieten ausführliche Warenkunde vom Klarapfel bis zur Sharonfrucht, zeigen die Verarbeitung in perfekten Phasenfotos, informieren über den neuen Stand der Gerätetechnik und über modische Deko-Tricks (z.B.Apfelchips) , und bieten schließlich eine Fülle von Rezepten auf dem neuesten Stand mit angemessenem Welt-Touch, für Anfänger geeignet, für Profis interessant. Teuer ist das, 69 Euro pro Stück. Aber wer sich festgelesen hat, wird schwer wieder loskommen.

Nur fünf Euro kosten die als Paperback gebundenen, aber nicht weniger großformatigen Bände aus der neuen Grundkochbuch-Serie von Zabert Sandmann. Neue Torten und Asien heißen die neuen Folgen schlicht, und wer meint, dass dafür nur Resterverwertung möglich sei, sieht sich getäuscht: Hübsch, die Dinger. Die Bilder erzeugen auch hier den überwältigenden Drang, in die Küche zu laufen und alles nachzukochen - eine starke Konkurrenz für die monatlich erscheinenden Kochzeitschriften, die kaum weniger kosten, aber im Gestaltungsniveau auffällig veraltet sind. Das Spektrum der Rezepte reicht von Nudelsuppe bis Stir-Fry vom Schweinefilet (Asien) und vom Profiterole-Stern bis zur Schokoladentorte mit Rosenblüten im Backbuch, das die Vitrine jedes Durchschnittskonditors sehr alt aussehen lässt. Beide Bücher verzichten allerdings ganz auf Warenkunde und Phasenfotos, sind also eher für den geübten Amateur, der von Büchern in erster Linie neue Impulse für Kombination und Anrichten erwartet. Die gibt es hier reichlich. bm

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