Zeitung Heute : Gubener Hetzjagd: Der Rückblick

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Farid Guendoul befand sich auf dem Weg zu seinem Asylbewerberheim, als er in Guben mit zwei weiteren Flüchtlingen einem Mob junger Rassisten in die Arme lief. Es war die Nacht zum 13. Februar 1999 - weder der unter dem Namen Omar Ben Noui gemeldete, 28-jährige Guendoul noch seine afrikanischen Begleiter hatten jemals Kontakt mit der Jungmänner-Clique gehabt. Es nutzte nichts: Die Flüchtlinge wurden durch das Plattenbauviertel Obersprucke gejagt, einer bekam Tritte ab. Guendoul und der dritte Afrikaner rannten auf einen Wohnblock zu. Als Guendoul die gläserne Haustür eintrat, schlitzte er sich eine Knieschlagader auf - und verblutete.

Elf Gubener mussten sich vor dem Cottbuser Landgericht verantworten. Acht wurden wegen fahrlässiger Tötung des Algeriers verurteilt. Bis auf einen Angeklagten muss keiner wegen der Hetzjagd ins Gefängnis. Das Urteil rief bundesweit Empörung hervor. Auch Guben geriet öfter in die Schlagzeilen. Der von der Antifa aufgestellte Gedenkstein für Farid Guendoul wurde siebenmal geschändet. An einem Übergriff war ein Angeklagter aus dem Hetzjagd-Prozess beteiligt.

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