Zeitung Heute : Günstig abzugeben

Robert Birnbaum

Die Bundeswehr soll 105 Standorte schließen. Was könnte mit Waffen geschehen, wenn diese durch den Abbau überflüssig würden?

Wer in nächster Zeit die Anschaffung eines modernen Kampfpanzers ernsthaft erwägt, sollte sich an die Bundesregierung wenden. Was Verteidigungsminister Peter Struck durch die neue Struktur der Bundeswehr und die darauf aufbauende Material- und Ausrüstungsplanung vorgegeben hat, wird mit der Schließung der Standorte bis 2010 konkret. Damit wird eine Menge Militärgerät heimatlos.

Für die Bundeswehr kein neues Entsorgungsproblem, auch nicht in der Größenordnung; man hat Erfahrung aus der Übernahme der Nationalen Volksarmee der DDR. Damals ging vieles an andere frühere Warschauer-Pakt-Armeen, meist zu symbolischem Preis. Verschenken ist billiger als Verschrotten oder Einlagern. Auch im Depot verschlingen Panzer Unsummen – und veralten rasch.

Veraltet ist heute schon vieles von dem Gerät, das mit Strucks Reform zur Ausmusterung ansteht. Für etwa 590 Leopard-1-Panzer des Heeres dürfte sich nur noch der Schrotthandel interessieren. Auch für 506 Panzerhaubitzen M109 fehlt es absehbar an Interessenten. Anders bei Schiffen – für die Schnellboot- Flotte zum Beispiel liegt eine Anfragerliste zur Zweitverwendung im zivilen Küstenschutz vor. Anders theoretisch auch beim Kampfpanzer Leopard-2. Die 1200 überflüssigen Exemplare des High- Tech-Geräts wären auf dem Weltwaffenmarkt profitabel zu vermarkten – stünde dem nicht das Kriegswaffenkontrollgesetz entgegen, das den Käuferkreis praktisch auf enge Verbündete beschränkt. Etwa 500 der einst mehr als 2000 deutschen Leopard-2-Panzer rollen schon jetzt für andere Nato-Armeen.

Abgewickelt werden solche Geschäfte, gegebenenfalls nach dem Placet des Bundessicherheitsrats, vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Die Behörde in Frankfurt organisiert auch die Verschrottung in Lizenz-Betrieben. Oft lassen sich hochwertige Einzelteile als Ersatzbedarf weiter verkaufen. Nichtkriegerisches Bundesaltgerät vom Fernglas bis zum VW-Bus kann jedermann von der bundeseigenen Treuhand- Firma Vebeg kaufen.

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