Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin : "Afrika braucht eine bessere politische Führung"

Beim G7-Gipfel in Elmau wollen sich die Staatschefs auch mit dem Thema Afrika befassen. Der Afrikabeauftragte der Bundekanzlerin Günter Nooke sagt im Tagesspiegel-Interview, warum das notwendig ist.

Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin.
Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Herr Nooke, der G-7-Gipfel debattiert auch mit Staats- und Regierungschefs aus Nigeria, Liberia, Äthiopien, Senegal und Tunesien. Warum widmen sich die Industriestaaten ausgerechnet Afrika?

Wir wollen die afrikanischen Staaten bei ihren Reformbestrebungen unterstützen und dazu beitragen, die Grundlagen für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung, für Wachstum und Gesundheit auf dem Kontinent zu stärken.
Ist Afrika ein Kontinent der Katastrophen?
Das ist zu platt. Afrika ist vielfältig, es gibt große Risiken, aber auch große Chancen. Wir sehen große Wachstumspotenziale – in der Landwirtschaft, bei Rohstoffen, bei der Infrastruktur und im IT-Sektor. Aber wenn Afrika diese Chancen wirklich nutzen will, braucht es eine deutlich bessere politische Führung als im Moment. Es gibt positive Beispiele, aber auch Länder, in denen wenig vorangeht.


Wie kann man da von außen einwirken?
Wir bemühen uns um eine bessere und wirksamere Entwicklungszusammenarbeit. Allerdings wird auch die beste Entwicklungszusammenarbeit nicht ausreichen, um die Verhältnisse in afrikanischen Ländern so weit zu verbessern, dass die Menschen nicht mehr nach Europa fliehen. Dazu brauchen wir Prosperitätskerne in Afrika, die als positive Beispiele wirken und den Kontinent voranbringen. Die Privatwirtschaft muss dazu beitragen, damit möglichst viele in Afrika auch gutes Geld verdienen können.
In der Flüchtlingsfrage will Kanzlerin Angela Merkel die afrikanischen Staaten in die Pflicht nehmen. Was erwartet die deutsche Politik von den Gästen?
Jeder muss seine Verantwortung wahrnehmen. Es kann nicht sein, dass die Europäer sich dem Problem stellen, während es manchen afrikanischen Regierungen völlig egal ist, dass die Lebensbedingungen in ihren Ländern Menschen zur Flucht nach Europa zwingen. Aber es gibt Fortschritte: Die Afrikanische Union will in zwei Wochen über das Flüchtlingsthema beraten. Der Kontinent bekennt sich endlich zu seinen Problemen. Das reicht nicht, ist aber ein Anfang.
Auch die Ebola-Epidemie wird Thema sein. Welche Lehren kann man ziehen?
Der Ebola-Virus ist zurückgedrängt, aber nicht ein für allemal besiegt. Es geht darum, die Gesundheitssysteme der Region so zu stärken, dass sie solche Krisen beherrschen können. Das deutsche Entwicklungsministerium engagiert sich da sehr. Eine der Lehren aus dieser Epidemie lautet: Menschen, die vorbereitet und über Risiken aufgeklärt sind, können sich und ihr Land viel besser schützen.

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben