GUERILLA-POPM.I.A. : The Teaches of Peaches

Alexandra Distler

Mathangi „Maya“ Arulpragasam, die unter dem Kürzel M.I.A. seit 2005 eine feste Größe der weltumspannenden Hip-Hop-Elektro-Posse ist, hat ihr Handwerk von der in Berlin lebenden und agierenden Kanadierin Peaches gelernt. Sie war es, die der Graffiti- und Videokünstlerin aus London mit Wurzeln in Sri Lanka den Umgang mit der Sample- und Drummachine Groovebox beibrachte und so den Anstoß für eine bemerkenswerte Karriere gab. M.I.A. schlug ein wie eine Bombe, nicht nur im metaphorischen Sinne: die Textzeile „Like PLO I don’t surrender“ ihres Hits „Galang“, die Revolverschüsse in „Paper Planes“ sowie die Tatsache, dass ihr Vater Mitbegründer der tamilischen Rebellenorganisation „Tamil Tigers“ war, brachten ihr immer wieder Ärger mit MTV und kurzzeitig auch ein Einreiseverbot in die USA ein.

Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen, dieses Jahr erschien M.I.A.s drittes Album: „Maya“, benannt nach ihr selbst. Das erste trug den Namen des Vaters („Arular“), das zweite den der Mutter („Kala“). Musikalisch nicht mehr so eingängig wie seine Vorgänger, weniger hip-hoppig tanzbar, sondern meist elektronisch verschwurbelt und bretthart. Dabei war es vor allem das Video zu „Born free“, das Diskussionen auslöste. In dem neunminütigen Werk des Regisseurs Romain Gavras werden rothaarige Jungs von amerikanischen Einsatztruppen zusammengetrieben und exekutiert – ein Gewaltvideo, das nach wenigen Stunden von der Plattform Youtube entfernt wurde und für Trubel und Aufruhr im Netzdiskurs sorgte. Zensur oder nicht Zensur, M.I.A. legt es darauf an, das ist klar. Gerade deshalb will und darf sie als politische Künstlerin verstanden werden. Alexandra Distler

Huxleys Neue Welt, Mi 17.11., 20 Uhr, 30,50€

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