Zeitung Heute : Gütersloher Unternehmen bekundet Interesse am Internetdienstleister Strato

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Die Berliner Teles AG will den im Herbst 1998 erworbenen Internetdienstleister Strato verkaufen. In die engere Wahl hat Teles-Chef Sigram Schindler offenbar Bertelsmann gezogen. Ein Sprecher des Medienkonzerns bestätigte am Mittwoch in Gütersloh entsprechende Gespräche mit Teles. Der Chef der Unternehmensentwicklung von Bertelsmann Multimedia, Hans-Jörg Assenbaum, nahm am Mittwoch überraschend an einer Betriebsversammlung der Strato AG in Berlin teil. Konkrete Verkaufsverhandlungen seien noch nicht aufgenommen worden, zitieren Mitarbeiter Assenbaum. Bertelsmann sei aber mit zehn Mitarbeitern in Berlin, um sich Strato "näher anzusehen".

Teles-Chef Schindler teilte den Beschäftigten mit, es lägen insgesamt vier Angebote für Strato vor. Teles wolle das 1998 für 30 Millionen Mark erworbene Unternehmen verkaufen, weil Strato einen "Partner mit mehr Geld" brauche, um im wachstumsstarken Internet-Geschäft mithalten zu können. Teles sei zu klein. Strato arbeite profitabel, und das solle so bleiben. Schindler kündigte Mitarbeitern zufolge an, Teles werde sich nicht vollständig aus der Strato-Beteiligung zurückziehen. Das Unternehmen sei ein Vielfaches des Kaufpreises Wert. An künftigen Wertsteigerungen wolle Teles teilhaben. Der Verkauf erfolge nicht aus finanziellen Gründen. Teles verfüge über ausreichende Barmittel in Höhe von über 100 Millionen Mark. Die Strato-Beschäftigten fürchten unterdessen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, sollte sich Bertelsmann engagieren. Befürchtet wird, dass der Konzern nur an den Internet-Adressen interessiert sei und nicht am Fortbestand von Strato.

Dem Vernehmen nach ist auch ein bisheriger Strato-Vorstand als Käufer im Gespräch. Die beiden Strato-Vorstände Marc Alexander Ullrich und Norbert Stangl waren am Dienstag für zwei Wochen beurlaubt worden. Strato ist nach eigenen Angaben mit über 220 000 verwalteten Domains in Europa Marktführer im Betrieb von Internet-Präsenzen. Die Bertelsmann-Tochter AOL hatte kürzlich einen Vermarktungsvertrag mit Teles vereinbart. Über die Marketing- und Vertriebskanäle von Strato sollten Neukunden für den Online-Dienst AOL gewonnen werden. Die Kooperation war für zunächst zwei Jahre abgeschlossen worden. Es wurde ferner eine Option vereinbart, die Zusammenarbeit auch auf Compuserve Deutschland auszudehnen, der zweiten Marke von AOL.

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