Zeitung Heute : Gut abgesichert durch Fachhochschul-Netzwerke

Ansgar Keller beobachtet seit 1994 die Promotionsmöglichkeiten für FH-Absolventen. Seine Ergebnisse fasst er in Ranglisten zusammen

Harald Olkus

„Für begabte Fachhochschulabsolventen ist es nach wie vor schwierig, einen Doktortitel zu erlangen“, sagt Ansgar Keller. In mittlerweile siebter Auflage hat der für Wissens- und Technologietransfer zuständige Mitarbeiter der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) die Promotionsmöglichkeiten von Fachhochschulabsolventen an deutschen Universitäten verglichen. Sein Fazit: Obwohl rechtlich seit den 1990er-Jahren möglich, ist der Weg für Promotionswillige nach wie vor steinig.

Egal ob die Absolventen den Titel direkt nach ihrem Abschluss oder erst nach einigen Jahren Berufserfahrung erwerben wollen – zuerst müssen sie Kenntnisse in wissenschaftlicher Arbeitsweise nachholen, die ihre Kollegen von der Universität bereits während des Studiums erworben haben. Dazu haben die Universitäten ein sogenanntes Eingangsfeststellungsverfahren entwickelt, das zwischen zwei und vier Semester in Anspruch nimmt. „Ein Problem ist allerdings, dass der erfolgreiche Abschluss nicht garantiert ist“, sagt Keller. Der an ein praxisorientiertes Studium gewöhnte FH-Absolvent muss an dieser Stelle die Anforderungen eines theoriegeleiteten Universitätsstudiums erfüllen. Zu drei Vierteln handelt es sich bei den Promotionswilligen um Fachhochschulabsolventen, die einige Jahre im Beruf gearbeitet haben und nun entweder ihre Aufstiegschancen verbessern oder ein spannendes Thema intensiver bearbeiten wollen.

Meist wird von den Universitäten eine Diplomnote von mindestens 1,5 verlangt, um überhaupt zum Verfahren zugelassen zu werden. Eine weitere Hürde ist die Suche nach einem Doktorvater. Als Externer ist der Fachhochschulabsolvent an der Uni kaum integriert und kann den persönlichen Stil eines Professors weniger gut einschätzen als Doktorandenkollegen, die „ihren“ Professor kennen. Und auch die Betreuungsqualität ist laut Ansgar Keller nicht überall gleich: So hätten stark in der Forschung engagierte Professoren häufig weniger Zeit für eine umfassende Betreuung.

Letztlich hängen die Chancen für die Fachhochschulabsolventen von der Aufgeschlossenheit der jeweiligen Universität ab. Deshalb hat Keller die Hochschulen in seinen seit 1994 alle zwei Jahre aktualisierten Erhebungen in Ranglisten zusammengefasst: Sie orientieren sich daran, wie leicht es eine Universität einem FH-Absolventen macht, zu promovieren. Generell sei zu beobachten, dass Hochschulen im Osten Deutschlands sich hier aufgeschlossener zeigten.

Auf Platz eins seiner Rangliste der „besten Universitäten“ steht die Uni Mainz. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Universität Potsdam liegt auf Platz acht, die „beste“ Berliner Hochschule ist die Humboldt-Universität auf Platz elf.

Mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse soll sich auch der Zugang für Fachhochschulabsolventen zur Promotion erleichtern. Formal sollen Masterabsolventen von Universitäten und Fachhochschulen gleich behandelt werden. „Die Praxis sieht aber noch anders aus“, sagt Keller. Viele Universitätsprofessoren zweifelten an der Qualität des Fachhochschul-Masters, selbst bei zertifizierten Studiengängen. Für gesicherte Aussagen sei es aber noch zu früh.

Viele Fachhochschulen greifen ihren ambitionierten Absolventen tatkräftig unter die Arme: So entwickelt die Alice Salomon Fachhochschule Berlin (ASFH) derzeit in Kooperation mit vier ausländischen Hochschulen ein gemeinsames Promotionsprogramm mit dem Schwerpunkt „Soziale Arbeit“. Es soll Doktoranden durch ein internationales Netzwerk, gemeinsame Seminare und Supervision unterstützen. An der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) gibt es bereits seit 1994 das Hypatia-Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen (www.tfh-berlin.de/frauen). Herausragende Absolventinnen werden dabei durch gezielte Förderung und ein Mentoringprogramm ermutigt, sich als Mitarbeiterinnen für Forschung und Lehre weiter zu qualifizieren.

Der Promotionsführer für Fachhochschulabsolventen von Ansgar Keller (7. Auflage, 2005) kann per Post oder Fax bestellt werden: Steinbeis-Transferzentrum für Technische Beratung und Technologiemarketing/FHTW Berlin, Treskowallee 8, 10318 Berlin, Telefon: 030/5019 2283, Fax: 030/ 5019 2477.

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