Zeitung Heute : Gut bei Kasse

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Wer sich an einem Streik beteiligt, erhält vom Arbeitgeber keinen Lohn. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Streikende gar kein Geld erhält. Stattdessen zahlt die IG Metall jedem, der seit mehr als drei Monaten vor der Urabstimmung Mitglied ist, eine Streikunterstützung. Welche Streiktaktik sich die Gewerkschaften jeweils ausgedacht haben, spielt da keine Rolle.

Die jeweilige Lohnunterstützung beträgt je nach Länge der Mitgliedschaft das 12- bis 14-fache des Durchschnittsbeitrags aus den vergangenen drei Monaten. Ein Beispiel: Ein Metallarbeiter, der 2300 Euro brutto verdient, zahlt davon ein Prozent, also 23 Euro pro Monat, als Beitrag. Ist er länger als fünf Jahre Gewerkschafter, bekommt er für eine Streikwoche – das sind fünf Tage – 14 mal 23 Euro, also aufgerundet 325 Euro.

Bei nur einem Tag Arbeitskampf wird der Betrag entsprechend gefünftelt. Das Streikgeld wird am Monatsende von der Gewerkschaft auf das Konto der Arbeiter überwiesen. Steuern und Abgaben müssen dafür nicht gezahlt werden. Die Rente verringert sich dadurch nur sehr geringfügig.

Für die Kranken- und Pflegeversicherung werden keine Beiträge nachgefordert, möglich ist das nur bei privat Versicherten. In vielen mittelständischen Betrieben tragen sich die Streik-Teilnehmer in eine Liste ein, bei einem Großunternehmen wie DaimlerChrysler erfolgt die Registrierung automatisch per Computer: Wer sich am Streiktag nicht „eingecheckt“ hat, gilt damit als Streikender. Da die letzten Arbeitskämpfe in Deutschland sieben und in Baden-Württemberg sogar 18 Jahre zurückliegen, ist die Streikkasse der IG Metall ganz gut gefüllt.

Der letzte Metallerstreik 1995 in Bayern hat die IG Metall eigenen Angaben zufolge 20 Millionen Mark (10,2 Millionen Euro) gekostet. Die damals erzwungene Einigung wird mit einem Gesamtvolumen von zehn Prozent angegeben und von Gewerkschaftern noch heute als Erfolg gewertet.

Übrigens: Auch wenn der Arbeitgeber das Mittel der so genannten Aussperrung anwendet, um seine eigenen Forderungen durchzusetzen, muss er den streikenden Arbeitern keinen Lohn bezahlen. Auch die Arbeitslosenversicherung zahlt in diesem Fall kein Geld.

Die Taktik der Gewerkschaften bei diesem Streik ist aber genau darauf angelegt, dass das Mittel der Aussperrung gar nicht erst angewendet wird. Die kommenden Tage, vielleicht sogar Wochen, werden zeigen, ob diese Taktik auch aufgeht. Tsp/dpa

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