Zeitung Heute : Gut betucht durch den Sommer segeln

Weg mit dem alten Sonnenschirm! Ein Sonnensegel zaubert draußen und drinnen maritime Stimmung

Dirk Engelhardt

Alles Gute kommt wieder – dieser Spruch passt auch auf das Revival der Sonnensegel, die es lange vor Sonnenschirmen und Markisen gab. Wegen ihres windschnittigen Designs, der einfachen Handhabung und der Vielzahl der Einsatzmöglichkeiten finden Sonnensegel mehr und mehr Freunde. Auf der einen Seite wirkt das dreieckige oder viereckige Sonnensegel wie ein Dach – nur staut sich keine Hitze darunter, noch muss man es abends abbauen.

Sonnensegel gibt es als dauerhafte Befestigung über der Terrasse, dem Dachgarten oder im Garten, aber auch als Sonnenschutz – oder Regenschutz! – für das Grillfest im Grünen. Yachteigner wissen den Nutzen von Sonnensegeln seit jeher zu schätzen. Denn auf dem offenen Meer knallt die Sonne oft erbarmungslos auf Deck, und nur unter dem aufgespannten Sonnensegel ist man geschützt.

Einige Kniffe müssen allerdings bei der Montage und bei der Handhabung der Sonnensegel beachtet werden. Den häufigsten Einsatz finden Sonnensegel wahrscheinlich auf der Terrasse und im Garten. Ob man damit die Sitzecke abschattet, den Buddelkasten von der knallenden Sonne abschirmt oder eine lauschige Ecke am Gartenteich schafft, bleibt jedem überlassen. Wichtig ist eine gute Befestigung des Sonnensegels, weil es ja ständig gespannt bleibt und auch Wind, Regen und Stürmen standhalten muss. Den meisten Sonnensegeln liegen Haken zur Befestigung bei. Sie können an Hauswänden angebracht werden, an stabilen Dachrinnen, an festen Rohren oder an Gartenmauern. Oft ist es sinnvoll, einen Pfahl in den Boden zu rammen, und daran mit Spannschlössern und Seilzügen ein Ende des Segels zu befestigen – so kann das Segel auch problemlos nachjustiert werden. Teurer sind elektrisch oder mechanisch aufrollbare Segelkonstruktionen.

Auch auf dem Balkon können Sonnensegel installiert werden. Der Vorteil hierbei: es wird, gerade bei kleinen Balkons, kein Platz für einen Sonnenschirmständer verschwendet. Zusätzlich schützt das Sonnensegel hier auch noch vor neugierigen Blicken der Nachbarn. In südlichen Ländern kann man auf Balkonen eine ganz spezielle Art von Sonnensegeln sehen: Von einer Gardinenstange fällt ein weißes Tuch wie eine große Gardine herunter. Diese wird über die Balkonbrüstung gespannt und sorgt so für einen luftigen, schattigen Balkon.

Wer keine Garage hat, sein Auto aber im Sommer auf dem eigenen Grundstück parkt, kann überlegen, über der Autoabstellfläche ein Sonnensegel zu spannen. Damit entfällt der Hitzeschock, wenn man die Autotüren an einem heißen Sommertag öffnet. Ein ähnliches Problem haben Besitzer neuer Häuser, in denen viel mit verglasten Wänden gearbeitet wird. Dadurch heizt sich das Hausinnere im Sommer bei Sonneneinstrahlung stark auf. Mit Sonnensegeln kann ein solches Haus nicht nur optisch verschönert werden, auch die Zimmer sind so vor zu starker Aufheizung und zu grellem Licht geschützt.

Camper kennen die Vorteile der Sonnensegel schon lange. Wenn es im Sommer, besonders im Süden, im Zelt unerträglich stickig und heiß ist, bietet das Sonnensegel Schatten, aber gleichzeitig weht hier eine angenehme Brise. Auch vor dem Wohnmobil und am Strand sind mobile Sonnensegel ideal. In Outdoorgeschäften gibt es die mobilen Sonnensegel unter dem Fachbegriff „Tarp“ in vielen Größen und Formen. Tarp ist eine Kurzform von Tarpaulin und ist die englische Materialbezeichnung für schweres, wasserdichtes Gewebe, heute meist PVC-beschichtetes Polyestergewebe, wie es auch für Lkw-Planen benutzt wird.

Die meisten Sonnensegel sind schmutzig-weiss in der Farbe. Mit unifarbenen Modellen kann man nicht viel verkehrt machen. Blumige Muster dürften in diesem Sommer eher selten sein. Es gibt aber auch farbige Segel, und ein besonderer Blickfang ist eine Kombination verschiedenfarbiger Segel über der Terasse.

Eines der günstigsten Sonnensegel bietet Ikea mit „Dyning“ (ca. 20 Euro), einem zwei mal drei Meter großem Segel, das zusammen mit sechs Karabinerhaken und drei Federspiralen zur Befestigung geliefert wird. Will man jedoch längere Zeit Freude am Sonnensegel haben, sollte man nicht sparen: Bei billigen Polyestersegeln kann es sein, dass schon nach kurzer Zeit die Ösen ausfransen und dem Zug nicht mehr standhalten. Bei großen Segeln kann es vorteihaft sein, wenn an einer Seite ein Metallstab zur Stabilität eingearbeitet ist. Gute Haltbarkeit verspricht das Sonnensegel von Manufactum, lieferbar als Dreieckssegel mit 3,6 Meter Seitenlänge und als Viereckssegel mit den Maßen 3 mal 4 Meter. Der Stoff, ein Polyestergewebe, ist zu 100 Prozent UV-stabil. Das Segel ist bogenförmig geschnitten, so dass die Spannung erhalten bleibt und das Tuch nicht durchhängt (lieferbar ab 22. Juli 2009).

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Segel einem UV-Standard entsprechen und einen Schutzfaktor zwischen 60 und 80 aufweisen. Ein dünner Stoff, durch den man durchsehen kann, verdunkelt nicht richtig. Dieser ist dann meist auch witterungsanfälliger. Es lohnt sich auf Qualität zu achten und ein wenig mehr auszugeben. Auf der anderen Seite ist das gute (und teure) Designerstück nicht automatisch von hoher Qualität.

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