Zeitung Heute : Gut eingelebt

Warum Arnold Schwarzenegger als gebürtiger Amerikaner nicht Gouverneur geworden wäre – und was er jetzt unter „Action, Action, Action“ versteht

Malte Lehming

Ach, diese Widersprüche! Bei der Berlinale waren in diesem Jahr Dustin Hoffman und George Clooney. Beide hielten flammende Reden gegen den Irak-Krieg. Deutschland ehrte sie dafür als klug und weise. Wenig später trat ein anderer Schauspieler auf das politische Parkett. Arnold Schwarzenegger wollte Gouverneur von Kalifornien werden.Doch da rümpfte das Publikum die Nase. Schauspieler verstünden nichts von Politik, hieß es diesmal ebenso abfällig wie einst bei Ronald Reagan. Merke: Nur wer die falschen Ansichten vertritt, hat einen Beruf gewählt, der ihn für eine politische Karriere disqualifiziert.

Ach, diese Widersprüche! Die Republikaner in Amerika beten zu Gott und pochen auf die Moral. Deshalb haben sie Bill Clinton verachtet, den Draufgänger und Sittenstrolch. Auch Schwarzenegger ist Republikaner. Kalifornien wiederum ist eine Hochburg der Demokraten. Im Parlament haben sie in beiden Häusern eine klare Mehrheit. Schwarzenegger ist nicht gerade ein Beispiel für Tugendhaftigkeit. Er hat Marihuana geraucht und Gruppensex praktiziert. Er hat über die Penisgröße von Bodybuildern geplaudert und ist mehrfach der sexuellen Belästigung von Frauen bezichtigt worden. Außerdem stammt seine Frau aus dem Kennedy-Clan. Doch all das stört die Republikaner nicht. Schließlich hat dieser Mann die sechstgrößte Wirtschaftsmacht auf Erden aus der Hand der Hippies, Ökos und Alternativen befreit. Da wird schon mal ein Auge zugedrückt.

Ach, diese Widersprüche! Den Demokraten gilt Schwarzenegger als Populist. Ein unqualifizierter Quereinsteiger sei das, ein substanzloser Rebell gegen das Parteiestablishment. „Action, Action, Action“ – in solchen Botschaften erschöpfe sich oft die Wahlkampfbotschaft des „Terminators“. Der Liebling der amerikanischen Demokraten ist derzeit Howard Dean. Dean ist Arzt von Beruf, ein Außenseiter in seiner Partei. Seine Leistung besteht darin, den tief sitzenden Groll der linken Basis auf die gegenwärtige Administration zum Ausdruck zu bringen. Dean bringt die Herzen aller Bush-Verächter zum Glühen. Auch ihn könnte man einen Demagogen nennen.

Ach, diese Widersprüche! Schwarzenegger verkörpert den amerikanischen Traum. Ein mittelloser Einwanderer aus einfachen Verhältnissen erobert Hollywood, verdient Millionen und gewinnt schließlich die Gouverneurswahl. Kalifornien ist ein Einwanderungsland par excellence. Weiße sind inzwischen eine Minderheit. Doch nicht als privilegierter Weißer wird Schwarzenegger gewählt, sondern als erfolgreicher Immigrant. „Er ist ein Vorbild“, sagen viele junge Latinos.

Ach, diese Widersprüche! Schwarzenegger besitzt eine ganze Flotte von benzinfressenden Autos. Die heißen „Hummer“. Den Grünen gilt er im Wahlkampf als Umweltverpester schlechthin. Doch „Arnie“ schockiert sie. Als Gouverneur plant er Öko-Gesetz um Öko-Gesetz. Er will weg vom Öl, stattdessen die Wasserstoff-Energie fördern. Ein „Hydrogen Highway“ soll durch Kalifornien führen. Seine „Hummer“ hat er bereits umgerüstet. Der „Economist“ prognostiziert, Schwarzenegger werde der „grünste Gouverneur“ von ganz Amerika.

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