Zeitung Heute : Gut geredet

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Gestern im Regierungsviertel begegneten sich zwei Frauen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die eine ist eine ganz Defensive, hält den rechten Arm vor dem Körper, das Kinn in die linke Hand gestützt. Fließendes Goldhaar, ein eng anliegendes bodenlanges Gewand. Die andere ist die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast, wie immer im korrekten Hosenanzug und mit Kurzhaarfrisur. Ihr wurde die nachdenkliche Schöne – eine etwa 20 Zentimeter hohe Bronzefigur – gestern als Preis des „Förderkreises politische Rhetorik“ überreicht. „Frauenpersönlichkeit 2001“ Künast packte die Trophäe, hielt sie hoch und befand: „Gut geeignet zum Hanteltraining.“ Die Ministerin bekannte sich zu einem sportlichen, authentischen Redestil – und zu flachen Absätzen. Auf Pumps verliere man hinter dem Rednerpult leicht die Bodenhaftung. Der Vorsitzende des Rhetorik-Fö rderkreises und Direktor der bundestagsnahen Deutschen Rednerschule, Peter H. Ditko, lobte Künasts zupackende Ansprachen mit kurzen Sätzen und dialektischem Redeaufbau. Viele der von ihr gestellten Fragen beantworte sie geschickterweise nicht. Kleine, gut gemeinte Spitzen. Denn es war Ditko, der den Rhetorikpreis für Bundespolitikerinnen initiierte, nachdem er seit 1978 das Goldene Mikrofon an redebegabte Politiker verleiht. Nur einmal wurde eine Frau geehrt – Ingrid Matthäus- Maier. „Sie können es, aber sie machen es anders“ befand Ditko, und stiftete mit dem Verein „Frauen in Berlin“ einen Extra-Preis. Bundestags-Vizepräsidentin Petra Bless (PDS) hatte eine rhetorische Künast-Anekdote parat: Neulich beschwerte sich ein CDU-Mann, die Ministerin rede zu laut. -ry

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